Sallmutter sieht Schwächung der Gewerkschaften

10. Februar 2005, 12:42
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Keine Kritik an Gusenbauer - "Bin kein Sesselkleber"

Wien/Graz - Hans Sallmutter (S), scheidender Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA), sieht sich in seiner Voraussage bestätigt, dass mit seiner Absetzung als Präsident des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger im Jahr 2001 die Gewerkschaft geschwächt werden sollte. "Es ist auch nicht leicht bei dieser Regierung, mit ihrer Mehrheit im Parlament und bei einer Gewerkschaftsbewegung, die ja nicht jeden Tag und aus jedem Anlass Konflikte vom Zaun brechen kann. Oder Streiks organisieren", erklärte Sallmutter in einem Interview mit der Grazer "Kleinen Zeitung" (Sonntagsausgabe).

Auch die Sozialpartnerschaft habe unter der schwarz-blauen Regierung gelitten. "Bis zu diesem 4. Februar 2000 hat sich jede Bundesregierung in Österreich zur Sozialpartnerschaft bekannt und sich als Teil davon gefühlt. Das Wort Paritätische Kommission, das kennt ja heute keiner mehr", klagte Sallmutter.

Keine Kritik an Gusenbauer

Sallmutter bestritt Berichte, dass er sich nach dem letzten Parteitag kritisch über SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer geäußert habe. "Ich habe mich überhaupt nicht kritisch geäußert. Da wird ein Thema hochgezogen und dann gibt es Verletztheiten und es wird eine Staatsaffäre daraus gemacht. Wichtiger ist, wir brauchen ganz einfach die politische Wende."

Zu seinem Rückzug als GPA-Chef meinte Sallmutter: "Ich bin 60 Jahre und ein großer Anhänger des Prinzips, dass man kein Sesselkleber ist. Meinen Nachfolger Wolfgang Katzian habe ich selbst vorgeschlagen. Er ist gut darauf vorbereitet."

Bezüglich seines Rufs als scharfer Kritiker sagte Sallmutter: "In Wirklichkeit habe ich meistens sehr schaumgebremst nur transportiert, was im Büro geredet wird oder in der Werkstatt und am Wirtshaustisch. Leider haben wir aber heute überall eine so feige Situation, dass sich die Leute in den Sitzungen nichts sagen trauen. Und das ist schlecht." (APA)

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    Hans Sallmutter: "Die Sozialpartnerschaft hat unter der schwarz-blauen Regierung gelitten"

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