Deutschland: Winterschlussverkauf fiel mager aus

9. Februar 2005, 14:11
posten

Umsätze bleiben unter jenes des Vorjahres - Kaufunlust in Bayern

Hamburg - Die deutschen Einzelhändler sehen zum Ende des ersten freiwilligen Winterschlussverkaufs (WSV) ihre Hoffnungen auf eine gute Bilanz nicht erfüllt. Die Umsätze blieben laut einer Umfrage bei den Verbänden allgemein unter jenen des Vorjahres. Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, (HDE) Hubertus Pellengahr, bekräftigte am Samstag seine Unzufriedenheit mit dem zweiwöchigen Sonderverkauf.

"Die schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft wie hohe Arbeitslosigkeit und geplanter Stellenabbau haben sich in der zweiten Woche negativ ausgewirkt." Die Sorge um den Arbeitsplatz sei "sicher nicht positiv für die Konsumstimmung", fügte Pellengahr hinzu. Außerdem hätten sich die Rabatte der Vorwochen und der Wintereinbruch nachteilig ausgewirkt.

Kaufunlust in Bayern

Bei den Kunden in Bayern sei eine deutliche Kaufunlust zu spüren gewesen, die katastrophale Lage am Arbeitsmarkt tue ein Übriges, sagte der Sprecher des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels, Bernd Ohlmann. Die Kunden drehten jeden Cent drei Mal um. Auch die starken Schneefälle in der vergangenen Woche hätten dem Geschäft geschadet. "Wer fährt schon gern mit Schneeketten zum Schlussverkauf."

"Der WSV ist und bleibt ein Höhepunkt für den Einzelhandel", hieß es im deutschen Bundesland Sachsen. "In der zweiten Woche kam der Verkauf richtig in Fahrt." Die meisten Geschäfte konnten ihre Lager mit Winterware räumen. Doch an die Vorjahresergebnisse konnte nicht angeknüpft werden.

"Die Umsätze des Vorjahres sind nicht erreicht worden", sagte auch die Sprecherin des Thüringer Einzelhandelsverbands, Monika Osiewacz. Die Händler wollten auch in Zukunft am einheitlichen Start für Saisonschlussverkäufe festhalten. Der WSV habe geholfen, die Lager der Händler zu räumen, sagte die Sprecherin. Als Marketinginstrument hätten gemeinsame Schlussverkäufe weiterhin ihren Platz.

Diese Einschätzung teilt man auch beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Die Schlussverkäufe könnten nach wie vor erfolgreich sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmten und außerhalb der Schlussverkäufe Preisdisziplin gewahrt werde. Das Gros der Einzelhändler im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen will an den Schlussverkäufen festhalten. Dagegen hieß es in Hessen, es müssten neue Ideen her. "Der Schlussverkauf in der klassischen Form ist tot."

"Töne in Moll" vernehmbar

In Berlin hörte der Verband, "von überall eher Töne in Moll". Im Saarland und in Rheinland-Pfalz bedauerten Händler angesichts der geringen Umsätze, viel Geld für die Werbung ausgegeben zu haben. "Das Bild ist unterschiedlich, aber mehrheitlich doch gut", sagte dagegen Ulf Kalkmann vom Hamburger Einzelhandel.

Der verspätete Wintereinbruch bescherte auch dem Sportfachhandel in Deutschland noch einmal gute Umsätze: Jetzt waren Ski und Rodel gefragt. Warme Jacken, Strickwaren, Stiefel und Wintersportbekleidung waren ebenfalls Renner. Gut gingen auch Herren- und Kindermode. Gern gekauft wurde bereits Garderobe aus den aktuellen Frühjahrskollektionen. Winterbekleidung und Wintersportartikel waren bis zu 70 Prozent reduziert. (APA/dpa)

Share if you care.