Bronze trotz kaputtem Ski

5. Februar 2005, 16:30
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Walchhofer: "Das ist mehr als ein großes Wunder" - "Blecherner" Strobl: "Sind keine Maschinen!"

Bormio - "Keine Frage, das war das Rennen, das wir gerne gewonnen hätten!" ÖSV-Alpinchef Hans Pum redete nach der Herren-Abfahrt nicht lange um den heißen Brei herum. Die "Super Bowl" des Alpinsports 2005 gehört den US-Amerikanern, und das schmerzt. Am wenigsten vielleicht noch Michael Walchhofer, der mit einem völlig desolaten Ski hinter Bode Miller und Daron Rahlves Bronze holte. "Das ist mehr als ein großes Wunder", sah sich der entthronte Titelverteidiger deshalb auch als moralischer Sieger.

Runter geschlittert

Der Salzburger hatte schon ganz oben durch einen Stein die Kante seines rechten Skis auf Bindungslänge ruiniert. "Danach bin ich nur noch runter geschlittert. Im Ziel war ich enttäuscht, dachte, Letzter zu sein", gestand der baumlange Zauchenseer und stellte fest: "Ich war nach diesem Malheur total frustriert, habe mir aber vorgenommen, bis zum Schluss zu kämpfen. Schön, dass sich das ausgezahlt hat." Nur acht Zehntel Rückstand mit einem kaputten Ski seien eigentlich sogar "weltmeisterlich". "Deshalb freu ich mich noch mehr über Bronze. Das ist, wie wenn du in der Formel 1 einen Patschen hast und trotzdem Dritter wirst."

Schon die erste Analyse der WM-Abfahrt auf der "Stelvio" machte klar, dass die Österreicher mit ihren hohen Startnummern in den immer rippigeren Kurven Nachteile hatten. Während sich Miller mit seinem Trick der vorzeitigen Startzeit-Auslösung die tiefe Wunschnummer drei gesichert hatte, hatten Österreichs Abfahrtshelden mit Nummern von 27 (Walchhofer), 29 (Werner Franz - "Bei der Skiwahl gepokert und verloren"), 30 (Strobl) und 31 (Maier) ihre liebe Not. Hans Grugger (Nummer 23) war aber mit Platz neun zufrieden, "für meine erste WM nicht schlecht".

Zu erfolgsverwöhnt

"Ob du mit Nummer drei oder 30 Weltmeister wirst, interessiert hinterher keinen", brachte es Olympiasieger Fritz Strobl auf den Punkt. Der Kärntner haderte natürlich etwas mit "Blech" und der Tatsache, dass er im Training nicht mehr gebremst hatte. "An sich ist Vierter ja nicht schlecht, aber wenn du die wenigen Hundertstel siehst, die auf Bronze fehlen, tut es schon weh", sagte er. Und brach danach eine dicke Lanze für sich und seine ÖSV-Kollegen. "Vielleicht sind wir in Österreich schon zu erfolgsverwöhnt. Aber wir sind keine Maschinen, sondern nur ganz normale Sportler."

"Sicher ist man bei uns erfolgsverwöhnt", verstand auch Hermann Maier die Enttäuschungen im ÖSV-Lager, seine eigene hielt sich in Grenzen. "Platz 17 ist an sich ein Wahnsinn. Andererseits ist da die Enttäuschung auch nicht mehr so groß", witzelte der Salzburger, der sich am Vortag bei seinem bösen Sturz eine Rissquetschwunde am Bein und eine hohe Startnummer eingehandelt hatte. "War kein Problem, wir haben ja einen dicken Faden genommen, und wie das nach einem Sturz so ist, kenne ich ja schon von Nagano."

Maier von Walchhofer beeindruckt

Auch Maier glaubt, dass Walchhofer eine überragende Leistung geboten haben musste, "denn mit dieser Nummer musst du fast eineinhalb Sekunden besser sein. Bei mir war es bis zum Pietro-Sprung ganz gut, dann ging aber nicht mehr viel." Er würde am liebsten gleich am nächsten Tag wieder Rennen fahren. "Das ist immer so, wenn du hinten warst. Wenn du gewinnst, willst du hingegen eine Pause."

Alpinchef Pum atmete trotz aller Enttäuschung tief durch, "denn ich dachte schon, wir gewinnen heute überhaupt nichts, so chancenlos waren die hinteren Nummern". Obwohl er nach Millers mittelmäßiger Fahrt im unteren Teil noch gehofft hatte, "denn das war nicht unbedingt das Beste von ihm". Beim Amerikaner sei der Startnummernpoker aufgegangen, "weil der Wind Kälte gebracht hat, wir dachten, es wird wärmer". Miller und Rahlves müsse man selbstverständlich gratulieren. "Aber wie gesagt, in der Abfahrt tut eine Niederlage besonders weh." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Michael Walchhofer begutachtet sein beschädigtes Material.

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