Sicheres Abheben mit "papierlosen Flügeln"

13. Februar 2005, 09:42
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Piloten der AUA müssen in den Cockpits nicht mehr mit Papier hantieren, stattdessen kommen Tablet-PCs zum Einsatz

Wenn der AUA-Pilot Philipp Haller und seine Kollegen vor Jahren eine gute halbe Stunde vor Abflug das Cockpit betraten, hatten sie im Pilotenkoffer mehrere Kilo schwere Handbücher: vor allem An- und Abflugskarten mit wichtigen Informationen über den Flughafen sowie detailreiche Beschreibungen über das Flugprozedere.

Tablet-PC

Seit Kurzem klemmen sich die 700 AUA- und Lauda-Air-Piloten lediglich einen Toshiba-Tablet-PC unter den Arm. Die modernen, leichten elektronischen Schreibtafeln haben seit ein paar Wochen die seit dem Jahr 2000 verwendeten Notebooks abgelöst.

Auch bei der Software gab es einen Generationenwechsel. Aus Windows 2000 wurde Windows XP, ein neues Nachrichten- und Dokumenten-Management-System namens eFORCE versorgt die Tablet-PCs mit wichtigen aktuellen Informationen über Flugstrecke, Landeflughafen oder aktuelle Änderungen zu typenbezogenen Flugzeug-Handbüchern. Das Kürzel eFORCE steht dabei für "electronic Flight Operations Rules and Communication Environment".

Das papierfreie Cockpit

"Wir sind dem papierfreien Cockpit damit wieder ein großes Stück näher gekommen", berichtet Haller, der als flugbetrieblicher IT-Koordinator für das Funktionieren der Informationstechnologie bei seinen Kollegen verantwortlich ist. Paperless Wings 2004, so der Projektname, führt die Anfang 2000 gestartete Roadmap der "papierlosen Flügel" nahtlos weiter.

Während der Flugvorbereitung bekommen die Piloten beim Einloggen ins AUA-Netzwerk automatisch alle flugrelevanten Informationen und Anwendungen (zum Beispiel zur Berechnung der optimalen Schubkraft etwa für die Lärmminimierung etc.) auf die Tablet-PCs geladen. Im Cockpit arbeitet der Pilot dann offline weiter und findet auf seiner Benutzeroberfläche ausschließlich jene Applikationen vor, die er für seinen Flug benötigt, wobei er aus Sicherheitsgründen keine Änderungen an Dokumenten oder Beschreibungen durchführen kann.

Höchste Priorität

"Für uns hat die dokumentierte Weitergabe von aktuellsten Informationen an jeden einzelnen Piloten höchste Priorität. Vor eFORCE mussten diese Kommunikationsschienen mitunter doppelt und noch dazu manuell betreut werden. Wenn die Flugzeughersteller neue Betriebs-oder Wartungsinformationen veröffentlicht hatten, so musste jeder Pilot dieses Flugzeugtyps in der Gruppe per E-Mail informiert werden", nennt Haller einige der Vorteile der mit der österreichischen marcus izmir informationsmanagement (mii) realisierten Lösung, die er für europaweit führend hält.

Auch kostenseitig scheint an dem Konzept alles zu stimmen: "Die Investitionen haben sich gerechnet, sonst wäre das Projekt nicht genehmigt worden", meint Haller lächelnd.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 5./6.2.2005)

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AUA

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    foto: austrian airlines
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