Mandela fordert kompletten Schuldenerlass für Afrika

5. Februar 2005, 10:44
2 Postings

G-7-Finanzminister beginnen in London Gespräche - Brown fordert "Marshall-Plan"

London - Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela hat die sieben führenden Industriestaaten (G-7) am Freitagabend in London dazu aufgerufen, den afrikanischen Ländern ihre Schulden komplett zu erlassen. Zudem müssten die Entwicklungshilfen bis 2015 verdoppelt werden, sagte der Friedensnobelpreisträger zu Beginn der zweitägigen Gespräche der Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Länder. Bei dem Treffen wollte auch der britische Finanzminister Gordon Brown dafür werben, den afrikanischen Entwicklungsländern ihre Schulden zu erleichtern. Die deutsche Regierung dementierte Berichte, wonach es intern Streit über den richtigen Weg für mehr Hilfe an arme Staaten gebe.

Mandela sagte: "Wir brauchen Aktion an allen Fronten." Dies sehe auch der "Marshall-Plan" Browns vor. Die Gelder für die Entwicklungshilfe sollten um 50 Milliarden Dollar (knapp 39 Milliarden Euro) pro Jahr aufgestockt werden. Mandela hatte die reichen Länder bereits am Donnerstag eindringlich zur Bekämpfung der Armut aufgerufen. Millionen Menschen weltweit seien "Sklaven" der Armut und müssten befreit werden. Nicht zu handeln sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Brown fordert "Marshall-Plan"

Auch Brown fordert im Zuge seines "Marshall-Plans" die Streichung der Schulden afrikanischer Länder bei Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Weltbank. Diese belaufen sich auf rund 80 Milliarden Dollar. Die armen Länder leiden unter ihrer Schuldenlast, weil Zinszahlungen und Tilgungsraten notwendige Investitionen in Wirtschaft, Infrastruktur, Bildung und Gesundheit verhindern. Der britische Finanzminister hofft mit seinem "Marshall-Plan" ferner auf eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe auf hundert Milliarden Dollar pro Jahr. Wie dies erreicht werden soll, ist noch umstritten.

Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Hans Eichel (SPD) sagte in Berlin, die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstützte Besteuerung von internationalen Finanzspekulationen werde ebenso als mögliches Mittel für die Beschaffung zusätzlicher Entwicklungsmittel gesehen wie eine Steuer auf Flugbenzin. Beide Vorschläge sollten aus Sicht Deutschlands innerhalb der G-7 geprüft werden.

Neben dem von Großbritannien hochgehaltenen Entwicklungsthema wollten die Finanzminister und Notenbankchefs am Freitagabend und am Samstag auch über die konjunkturelle Lage in ihren Ländern sprechen. Wichtiges Thema für das Treffen in London sind zudem erneut Währungsfragen. Neben Gesprächen über die anhaltende Dollar-Schwäche wurde auch eine Aufforderung an China erwartet, seine Landeswährung freizugeben. Diese ist an den US-Dollar gebunden und gilt als unterbewertet, was chinesische Waren im Ausland billig macht und immer wieder Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung hervorruft. Zu den G7 gehören neben Großbritannien, den USA und Deutschland Frankreich, Italien, Kanada und Japan. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nelson Mandela und der britische Premier Tony Blair.

Share if you care.