Geri Halliwell auf dem WC versteckt

11. Februar 2005, 16:55
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Das mit der Prominenz auf dem Opernball hat sich erledigt. Also können Künstler und Sportler in Ruhe gefeiert werden

Wien – Jetzt hat Operndirektor Ioan Holender den Opernball endlich dort, wo er ihn immer schon haben wollte – ein Fest für Künstler und für die Oper ist er geworden. Das mit der Prominenz hat sich erledigt.

Eine logische Konsequenz, wenn sich etwa Ex-Spice-Girl Geri Halliwell vor dem TVInterview für zehn Minuten auf dem WC verschanzte. Hatte sie bei der Eröffnung noch entzückt dreingeblickt, entfleuchte sie um 0.08 Uhr dem Ereignis, vor dem sie niemand gewarnt hatte.

"Kuckuck! Süße!"

Das deutsche Skandalpärchen Tatjana Gsell und Prinz Feifried von Hohenzollern enthusiasmierte gerade noch den deutschen Boulevard. Angesichts dieses „Star“-Aufgebots wird Überraschungsgast Gudrun Landgrebe im Interview schnell zur „Deutschen Filmgöttin“ und der Schauspieler Erol Sander („Alexander“) darf seine Frau begrüßen: „Hallo! Kuckuck! Süße!“ So kann man in Ruhe feiern.

TV-Komiker Elton verteilte Rosen – „hab ich persönlich geklaut“, Heinz Werner Schimanko und Christian Ludwig Attersee packten trotz Rauchverbots wie viele andere in der Loge Zigarren aus.

Kokain am Klo

Und wenn schon – es gibt Schlimmeres. Ein deutscher TV-Sender will auf den Toiletten Spuren von Kokain entdeckt haben. Die Regierungsloge glich lange eher der Sporthilfegala: Schwimmstar Markus Rogan und Segel-Ass Roman Hagara fühlten sich inmitten der Regierungsmitglieder sichtlich wie Delfine im Hechtteich.

Rudi swingt

Zum Ausgleich pilgerten die Sportler samt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel dann zum neuen, souveränen Hausherrn, zu Heinz Fischer in die Präsidentenloge. Jener beobachtete gerade mit Bürgermeister Michael Häupl den Saal: „Da schau, der Buchbinder Rudi is’ scho’ fest am Swingen“ (Häupl). Fischer, Rogan begrüßend: „Du schaust ja richtig seriös aus!“

Andere begingen den Opernball in seiner orangen Pracht eher nach einem alten Wilfried-Lied, sofern es ihnen geläufig war: „Du hast mir mein Orange verpatzt.“ Zumindest all jene, die in den stundenlangen Logenkrieg im 1. Rang verwickelt waren. Entgegen aller Usancen waren diesmal nämlich Logenkarten verschickt worden – und zwar die falschen.

Falsche Loge

So kam diesen Donnerstag eine Gruppe, die seit Jahr und Tag mit 40 Personen benachbarte Logen anmietet – und fand eine von anderen Gästen besetzt vor. Es gebe für die Versetzten eine Alternativloge im 2. Rang. Drei Stunden währte der Streit, der viele Stadien durchlief – vom Begehr, die Loge von der Polizei räumen zu lassen, bis zu: „Ich fühle mich massiv bedroht! Sie brauchen nicht zu glauben, dass das ohne Welle abgeht! Das gibt ’ne gewaltige Welle!“ Um 1 Uhr früh schließlich die Opernball-Chefin Elisabeth Gürtler: „Wir haben einen Fehler gemacht, schimpfen Sie mit mir. Aber es gibt kein Anrecht auf eine Loge und jene, die da drinnen sitzen, sind noch dazu Donatoren der Staatsoper, die haben 36.000 Euro für ihre Loge bezahlt.“ Und aus.

Zanella taucht auf

Zurück zu den Künstlern – und manche Künstler kehren tatsächlich zurück. Nachdem Renato Zanella im Wörthersee baden gegangen ist, tauchte er – wieder sein Tänzerbein schwingend – in der Staatsoper auf. „Der Kärntner“ hingegen blieb der Veranstaltung heuer fern, obwohl sie zur Eröffnung die (Hans-)Jörgel-Polka spielten. Manche wähnten ihn in einem Stadion – pardon: Stadium – der Unpässlichkeit. Tatsächlich wurde Haider aber beim Alternativ- Opernball in Waidisch gesichtet, dortselbst tanzend, mit als Mohren verkleideten Männern in Baströckchen.

Nun beginnen wieder die Tage der Normalität – auch für Ioan Holender. Und wir anderen können darüber nachgrübeln, was er wohl meinte, als er erklärte: „Freiwillige Unterhaltungen, die nach 22 Uhr beginnen, sind keine Angelegenheit für die Öffentlichkeit.“ (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 05.02.2005)

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