Grundlegende Grammatik-Regeln entwickeln sich bereits innerhalb einer Generation

6. Februar 2005, 12:00
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Als Beispiel untersuchten Forscher eine Gebärdensprache von Beduinen, die erst in den letzten 70 Jahren entstand

San Diego - US-Wissenschaftler haben anhand einer Gebärdensprache bewiesen, dass neue Sprachen innerhalb einer Generation bereits grundlegende Regeln der Grammatik entwickeln. Die Forscher der University of California in San Diego haben die Al-Sayyid-Beduinen in der israelischen Negev-Wüste untersucht. Eine beträchtliche Zahl der Beduinen ist gehörlos, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature".

Von den 3.500 Beduinen, die in einer abgeschlossenen Gemeinschaft leben, die vor rund 200 Jahren gegründet wurde, sind etwa 150 gehörlos. In den vergangenen 70 Jahren haben die Wüstenbewohner eine Gebärdensprache entwickelt, die sich sozusagen ohne äußere Einflüsse gebildet hat. Die Sprache folgt der Wortanordnung Subjekt, Objekt und Verb (SOV) - was weder der gesprochenen Sprache der Beduinen noch den Gebärdensprachen von israelischen oder jordanischen Gehörlosen entspricht. Ein Satz würde etwa lauten: Ich Apfel geben". "Wir haben nicht erwartet, dass sich die Anordnung der Worte so schnell verändern kann", meint Studienleiter Carol Padden. Die Entdeckung legt nahe, dass Grammatik sich bei Gebärdensprachen relativ schnell bildet. Bei geschriebenen Sprachen dauert dies zum Teil Jahrhunderte.

Schnelle Sprachentwicklungen bei Zeichen- und Gebärdensprachen sind den Sprachforschern schon länger bekannt. So entwickelten Gehörlose in Nicaragua in den vergangenen 25 Jahren eine separate Gebärdensprache. Einzigartig an den Beduinen ist aber die Tatsache, dass sich ihre Sprache ohne Einflüsse von außen entwickelt hat. Auch andere Experten wie etwa der Linguist Steven Pinker von der Harvard University sehen in der Studie sensationelle Erkenntnisse. "Die Ergebnisse machen deutlich, dass das menschliche Gehirn das Motiv hat, eine expressive, grammatikalische Sprache ohne lange Entwicklungsgeschichte zu schaffen", so Pinker, der von der Geschwindigkeit der Sprachentwicklung beeindruckt ist. Die Stellung der Worte beeindruckt den Forscher allerdings weniger, da viele Sprachen während ihrer Geschichte die Positionierung von Subjekt, Prädikat und Objekt verschoben haben. Die einfache Strukturierung der Beduinensprache ist eine wichtige Konvention, die einen späteren Feinschliff ermöglicht, erklärt der Experte.(pte)

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