Antworten finden

16. Februar 2005, 10:49
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Seit wir gelernt haben, "Google" zu buchstabieren, ist unsere Welt eine andere geworden. Natürlich gab's davor und daneben auch anderes, Yahoo! zum Beispiel, aber keine andere Suchmaschine schaffte es, zu einer Tätigkeit zu werden: Wir googeln, wenn wir etwas wissen wollen, und das inzwischen sogar in der deutschen Sprache.

Aber die Google-Galaxie ist nicht das Ende des Wissensuniversums, so wie Google selbst noch lange nicht am Ende seiner Weisheit angelangt ist. In einem Projekt, das eine Dekade zu seiner Umsetzung dauern soll, will Google den Buchbestand großer Wissenszentren digitalisieren und so Onlinesuchenden unmittelbar zugänglich machen.

Bis dahin lohnt es sich, die neuen Werkzeuge anzuschauen, die in dem inzwischen heiß umkämpften Feld der Internetsuche in immer kürzeren Intervallen auf den Schirm kommen. Ein jüngster Neuzugang ist Answers. com, das derzeit nur in Englisch verfügbar ist, aber eine interessante neue Richtung für Internetrecherchen zeigt. Answers.com (unter der gleichnamigen Webadresse) gibt direkte Antworten statt Links, die im besten Fall zu den gesuchten Antworten führen.

Dazu bedient sich An- swers.com aus einem Netz von Fachliteratur (meist Lexika), deren Artikel es zu einem bestimmten Namen oder Begriff direkt auf den Bildschirm bringt. Als Test in diesem "Gedankenjahr" (ein Begriff, der einstweilen noch nicht zu "der Million Antworten" von Answers.com gehört) habe ich nach "Leopold Figl" gesucht und wurde umgehend mit einer relativ ausführlichen (englischen) Biografie des ersten Bundeskanzlers der Zweiten Republik und späteren Landeshauptmanns von Niederösterreich versorgt, komplett mit Hinweisen auf die zahlreichen Figl-Witze und weiteren Links zu den in der Biografie enthaltenen Details wie Figls Rolle in den "Ostmärkischen Sturmscharen".

Answers.com hat - mithilfe einer kleinen Software (Windows und Mac), die gratis von der Website geladen werden kann - eine praktische Erweiterung: Ein-Click-Answers, die es erlauben, Worte in jedem Programm (z. B. in einer PDF- oder Word-Datei) anzuklicken und ihre Bedeutung abzufragen. Antworten findet es dank seiner Lexika-Basis vor allem auf Fragen nach Personen oder Begriffen; wenn das erfolglos ist, kann man nahtlos auf Google umsteigen.

Auch die neue Microsoft-Suche ebenso wie A9.com, eine von Amazon entwickelte Suchmaschine, gehen ansatzweise ähnliche Wege: Microsoft bedient sich dazu seiner Enzyklopädie Encarta, allerdings muss man dazu search.msn.de (statt .at) ansteuern, da diese Möglichkeit auf der österreichischen Website noch nicht angeboten wird.

A9.com wiederum greift auf GuruNet zurück (die israelische Firma, die hinter Anwers.com steht), um nach Begriffen oder Personen zu suchen - was aber im konkreten Fall keine Ergebnisse brachte.

A9 hat jedoch noch andere interessante Fea- tures: Neben der Google-Abfrage wird auch im Bücherbestand von Amazon gesucht, was im Fall von Leopold Figl eine ganze Reihe von Büchern hervorbrachte, deren Textpassagen mit "Figl" teilweise sogar online gelesen werden können.

(Der Standard, Printausgabe 5./6.2.2005)

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