Die Deutschen haben mit dem Begriff "Humankapital" das Unwort des Jahres gekürt
Die Deutschen haben mit dem Begriff "Humankapital" das Unwort des Jahres gekürt. Die an der Frankfurter Goethe-Universität angesiedelte Jury aus Sprachwissenschaftern argumentiert, dass jener Menschen nur noch zu einer ökonomischen Größe mache. Darüber ist mittlerweile ein heftiger Streit entbrannt, die Blogs sind hochemotional. Mittlerweile werden auch schon T-Shirts mit dem Unwort verkauft: Die einen ereifern und empören sich, weil solcherart Menschen dem Kapital gleichgesetzt würden. Die anderen sehen im "Humankapital" eine Aufwertung des Menschen in der Logik des Kapitalismus, weil dieser ja Kapital nicht verschleudere oder achtlos herumliegen lasse, sondern eben vermehren will.
Dieser Positionsstreit ist, wie Jens Jessen in der Zeit sagt, wenig plausibel. Klar, keine Mutter, die über ihre drei Kinder spricht, redet von "reichlich Humankapital". Niemand, der einen Sonntag auf der Couch verbringt, denkt an Vergeudung von Humankapital. Das Wort selbst ist auch keine fonetische Wohltat und auf das gesamte Leben übertragen gefährlich fehl am Platz.
Dort aber, wo es hingehört, nämlich in die Wirtschaft, hat es eine klare und gleichzeitig harte Bedeutung: Es sagt ehrlich, dass wir bewertet, verwaltet und bewirtschaftet werden. Wenn daraus die Erkenntnis wächst, wie kostbar Mitarbeiter sind, welche Wertschätzung ihnen gebührt und wie sorgsam Investitionen in Menschen, die jedes Unternehmen ausmachen, fließen müssen, dann ist das gut. Dass Unternehmen von zufriedenen, gesunden Mitarbeitern profitieren, ist ja erwiesen. Wenn Firmen erkennen, dass sie dafür viel tun müssen, dann ist das ein guter Weg. (Der Standard, Printausgabe, 5./6.2.2005)
Von Karin Bauer