Auch Berlin will weniger Qualm

9. Februar 2005, 08:52
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Freiwillige Restaurant-Regelung wie in Österreich, aber auch italienische Zustände angedacht

Berlin – Nach den Italienern, den Iren und den Norwegern müssen sich auch Raucher in Deutschland auf weniger gemütliche Zeiten in Lokalen einstellen.

Derzeit wird auf verschiedenen politischen Ebenen über strengere Regeln für Raucher in Restaurants, Kneipen und Bars nachgedacht. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers- Merk, will das Ziel zunächst nach österreichischem Vorbild mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Gastronomie erreichen. Im Bundestag denkt man laut einem Bericht im Spiegel jedoch bereits an ein wesentlich strengeres Verbot, wie es vor drei Wochen in Italien in Kraft getreten ist.

Per Gesetz ist in Deutschland derzeit nur geregelt, dass jeder Arbeitnehmer ein Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz hat. Ausgenommen sind aber Orte mit Publikumsverkehr – also auch alle Lokale.

Caspers-Merk verhandelt gerade mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Der solle sich an Österreich orientieren. Hier hat sich die Wirtschaft ja verpflichtet, bis 2007 in mindestens 90 Prozent der Lokale mit mehr als 75 Quadratmetern Fläche Nichtraucherzonen einzurichten.

Ausnahmen möglich

Auch in Deutschland will Caspers-Merk den blauen Dunst nicht aus allen kleinen Lokalen vertreiben: „Der Imbiss an der Ecke soll anders behandelt werden als ein großes Restaurant.“ Marlies Volkmer, SPD-Gesundheitsexpertin im Bundestag, sagt ebenfalls: „Wir haben die Verpflichtung, Nichtraucher und Restaurantangestellte zu schützen.“ Funktioniere das nicht freiwillig, „muss auch in Deutschland eine gesetzliche Regelung her“.

"Selbst in Italien und Irland"

Der Drogenbeauftragten der CDU/CSU-Fraktion, Gerlinde Kaupa, reicht die von der Regierung angestrebte Selbstverpflichtung der Gastro-Branche nicht aus. „Wenn selbst in Ländern wie Italien oder Irland ein Rauchverbot durchsetzbar ist, sollte dies auch bei uns möglich sein“, erklärt sie.

Beschränkungen für Raucher gibt es in Deutschland seit dem Jahr 2002 auf Bahnhöfen. Die Deutsche Bahn hat mittlerweile auf mehr als 900 Bahnhöfen ein Rauchverbot eingeführt. Wer sich eine Zigarette anzünden möchte, muss sich auf eine eigens eingerichtete „Raucherinsel“ zurückziehen. (bau, DER STANDARD Printausgabe, 05.02.2005)

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