Geistesblitz: Drang zur Kommunikation

5. Februar 2005, 12:00
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Ulla Birnbacher: Technikerin mit Weltraumausbildung

Trotz aller Bemühungen, Frauen verstärkt für die Technik zu interessieren, gibt es in den technischen Wissenschaften noch immer weit gehend frauenfreie Zonen. So sind etwa an der Fakultät für Elektrotechnik der Grazer TU von 85 wissenschaftlichen Mitarbeitern nur drei weiblich. Eine davon ist Ulla Birnbacher. Dass sich die 31-jährige Grazerin für ein Telematik-Studium entschied, habe neben ihrer mathematischen Begabung auch mit der Art des naturwissenschaftlichen Unterrichts in ihrer Gymnasialzeit zu tun: "Ich war in einer reinen Mädchenklasse - und das war ein Vorteil, da die Lehrer dadurch viel besser auf unsere speziellen Interessen und Bedürfnisse eingehen konnten."

Den radikalen Wechsel von der Mädchenklasse in die Männerwelt der Technik schaffte sie ohne Schwierigkeiten, "auch wenn die Kollegen im Kampf um die knappen Laborplätze ihre Ellbogen durchaus etwas stärker einsetzten als die wenigen Frauen". Als Konsequenz daraus hat sich Birnbacher vom universitären Schlachtfeld zurückgezogen und zu Hause gelernt: Nach 13 Semestern inklusive einem in Südengland verbrachten Auslandsjahr hatte sie den Abschluss und eine Assistentenstelle am Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation in der Tasche.

Auf die Nachrichtentechnik hatte sich Birnbacher schon während ihres Telematik-Studiums spezialisiert, wobei "der gesellschaftliche Nutzen von wissenschaftlicher Arbeit, der hier besonders deutlich hervortritt, für mich eine zentrale Rolle gespielt hat". Mittlerweile hat sie ihre Dissertation geschrieben und als eine der Ersten den neuen postgradualen Weltraum-Lehrgang an der Grazer TU absolviert. In ihrer Forschungsarbeit konzentriert sich Birnbacher auf drahtlose terrestrische und extraterrestrische (über Satelliten) Kommunikationssysteme. "Grundsätzlich geht es dabei um die Entwicklung von Gesamtsystemen, die für sämtliche Anwendungen, die heute mit Internet möglich sind, eingesetzt werden können: von der Übertragung riesiger Datenmengen über die Telefonie bis zur Durchführung von Videokonferenzen oder der Liveübertragung von Operationen im Bereich der Telemedizin." Mit ihrer Arbeit an der technischen Weiterentwicklung der drahtlosen Kommunikation ist Birnbacher in mehreren internationalen Projekten verankert.

Was die persönlichen Ziele betrifft, hat die junge Forscherin zumindest für die kommenden Monate sehr klare Vorgaben, denn zunächst ist einmal Baby-pause. Die wissenschaftliche Arbeit deshalb jahrelang ruhen zu lassen kommt für sie aber nicht infrage: "Mir machen die Forschung und das Unterrichten einfach zu viel Spaß, um länger auszusteigen." (Doris Griesser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 2. 2005)

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    illustration: standard/oliver schopf
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