.jpg)
Sie schneidet sich ein Stück Schwarzbrot ab und behält es im Mund, während sie die Schuhe anzieht und die Wohnung absperrt.
Sie sitzt im Café, bestellt eine Melange und ein Wasser mit einer Scheibe Zitrone.
Ihre Hände sind schlank und weiß, ihre Haare sind dick und schwarz. Der Kellner liebt sie.
Sein Zimmer ist aufgeräumt. Seine Schlüssel hängen an einem Haken.
Er bringt ihr die Melange und das Wasser und die Scheibe Zitrone.
Sie sagt: "Danke." Sie bezahlt sofort. Das macht sie immer. Mit der roten Geldtasche in der Hand, die ihr so sehr gehört, wartet sie, bis er die Rechnung fertig hat. Er ist schlecht im Kopfrechnen.
Sie lächelt und gibt Trinkgeld.
Der Kellner liebt sie.
Der Kellner ist schüchtern.
Jeden Tag besucht sie das Café. Jeden Tag möchte er sie ansprechen.
Heute sitzt sie nicht allein am Tisch. Ihr gegenüber hat eine Frau Platz genommen. Mitte Vierzig. Sie trinkt Orangensaft. Frischgepresst und ohne Fruchtfleisch. "Fruchtfleisch klebt an den Zähnen." Sagt sie. Warum sagt sie das?
Diese Frau Mitte Vierzig liebt den Kellner.
Der Kellner ist Mitte Zwanzig.
Auch diese Frau besucht jeden Tag das Café. Sie nickt der Frau mit den schlanken Fingern und den dicken Haaren zu und weiß, dass der Kellner sie liebt.
Er hat es ihr geschrieben in einem Antwortbrief auf einen Liebesbrief.
Er schrieb: Ich liebe die Dame mit der roten Geldtasche, die manchmal Ihnen gegenüber sitzt."
Die Dame mit der roten Geldtasche liebt niemanden. Sie sucht Arbeit und keine Liebe.
Der Kellner liebt die Dame mit der roten Geldtasche.
Die Frau mit dem Orangensaft liebt den Kellner.
Die Dame mit der roten Geldtasche findet ihre Schlüssel nicht.
Paula Köhlmeier, geboren 1982 in Bregenz, Tochter des Schriftstellerpaares Monika Helfer und Michael Köhlmeier, verunglückte im Sommer 2003 bei einer Wanderung zur Burgruine Alt-Ems tödlich. Heute, Samstag, erscheint im Zsolnay-Verlag unter dem Titel "Maramba" (€ 18,40/ 256 Seiten) ihre nachgelassene Prosa, aus der wir hier einen Text bringen.
Lasst die Germanen mal den vorweihnachtlichen Pelz so richtig durchknattern! Vollendetes Kochen nach Art der Kulturgiganten
Christian Steinbacher erntet Wartholzer Literaturehren
Emma Dantes furioser Gesellschaftsroman "Mitternacht in Palermo" mit präzisen szenischen Beschreibungen und Dialogen
Alle 25.000 Blätter wurden digitalisiert - Erhaltung der Originale schwierig - Philosophin wurde 1942 in Auschwitz ermordet
"Sommer des Lebens": Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee wird 70 Jahre alt
Serbischer Philosoph
Der Nachwuchsstar der deutschen Literaturszene äußert sich zur Verteidigung: "Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit"
Für "besondere Leistungen im Grenzbereich"
Die erst 17-jährige Autorin Helene Hegemann ist die neue Sensation der deutschen Literaturszene
Katharina Hacker, 2006 Gewinnerin des Deutschen Buchpreises, malt mit ihrem Roman "Alix, Anton und die anderen" Stimmungen
Worum ein Autor des 21. Jahrhunderts einen in Vergessenheit geratenen Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts beneidet
Zahlreiche Starautoren gastieren Anfang April in Salzburg
Neuerlich erzählt Paulus Hochgatterer vielschichtig von Krimi-Verwicklungen in Furth am See
Wer eine Leiche verschwinden lässt, sollte bessere Nerven haben als Ing. Galba, der Leiter der Abwasserreinigungsanlage von Dornbirn
Kostenlose 24-Stunden-Tauschbörse unter freiem Himmel in Neubau - Privatprojekt gegen "Kommerzkäse" im öffentlichen Raum
Bild und Ton: Am 12. Februar feiert Gerhard Rühm seinen achtzigsten Geburtstag - Zwei Salzburger Veranstaltungen
Der Verlag will auch CDs, DVDs, Fernseh- und Kinofilme, Spiele und Merchandisingprodukte entwickeln
Über das Handschreibensterben und das Schwimmen gegen den Strom der digitalen Gezeitengewalt - Ein Nachruf von der Paperworld- Messe in Frankfurt - Ein Essay
Weltuntergänge und Neubeginne von unter anderem John Scalzi, Elizabeth Bear, Robert Sheckley und Dmitry Glukhovsky
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.