Volksbanken-Leasing startet in Moskau

25. Februar 2005, 17:15
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Mit Ex-Wirtschaftsminister Andrej Schapowaljanz als Partner haben die Volksbanken eine Leasingtochter in Russland gegründet. Eine Bankniederlassung könnte folgen

Wien - "Russland bietet uns riesige Wachstumsmöglichkeiten. Jetzt, da die internationalen Ratingagenturen das Land immer positiver beurteilen und das Wirtschaftswachstum bei fast sieben Prozent liegt, ist ein sehr günstiger Einstiegszeitpunkt", begründet Wolfgang Perdich, Vorstandsdirektor der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), den Eintritt der internationalen Leasingtochter in den russischen Markt. Die neue Niederlassung ist ein Joint Venture, an dem Volksbanken Leasing International (VBLI) 75,2 Prozent hält. 24,8 Prozent werden von Andrej Schapowaljanz, Wirtschaftsminister unter Boris Jelzin, und einem großen russischen Autoimporteur gehalten.

55 Prozent Wachstum

"Wir werden das Geschäft in der ersten Phase auf Fahrzeuge und Baumaschinen fokussieren", sagte Perdich. Marktschätzungen gehen davon aus, dass der russische Fahrzeugmarkt heuer um zehn Prozent wachsen sollte, bei Leasinggeschäften ist eine Zunahme von 55 Prozent prognostiziert, sagte Geschäftsführer Sebastian Göring. Derzeit kommen auf 1000 Russen 150 Autos, in Westeuropa sind es etwa 500 Autos pro 1000 Einwohner. Russland sei mit seinen 22 Mio. registrierten Fahrzeugen der siebtgrößte Fahrzeugmarkt der Welt.

Und auch die Einkommenssituation entwickle sich erfreulich: Das durchschnittliche Einkommen in der Region Moskau mit 13 Millionen Einwohnern entspreche bereits dem in der Tschechischen Republik. Demzufolge wird sich die Volksbanken-Tochter gleich vom Start weg auch um Privatkunden bemühen.

Das Neugeschäft soll im Startjahr etwa neun Millionen Euro erreichen. Im abgelaufenen Jahr betrug das Neugeschäft der VBLI - sie ist unter anderem in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Polen, Serbien und Montenegro tätig - 807 Millionen Euro.

"Entspannte politische Lage"

Die politischen Risiken - vor allem nach der umstrittenen Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos - hält Perdich für "minimal". "Eine Enteignung internationaler Investoren ist undenkbar, die politische Lage ist entspannt." Dennoch wird sich die VBLI bei der Kontrollbank entsprechend versichern.

Mitte des Jahres soll mit ersten Aktivitäten begonnen werden. Die Kosten für den Aufbau haben rund drei Mio. Euro betragen. Im ersten Jahr werden 15 bis 20 Mitarbeiter beschäftigt. Das Joint Venture ist auf fünf Jahre angelegt. Wenn die Geschäfte gut laufen, will die VB Leasing danach 100 Prozent übernehmen. Darüber hinaus ist der Einstieg in den Leasingmarkt auch ein Probegalopp: "Das ist auch ein Test für einen eventuellen Einstieg in das allgemeine Bankengeschäft", sagte Perdich. (Michael Moravec, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.2.2005)

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