Schulsterben mangels "Klientel"

16. März 2005, 15:29
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Rechnungshof für Schließung - Bevölkerungsexperte erwartet zunehmenden Druck auf Landschulen

Wien - Die Salzburger haben 1993 zu einem Trick gegriffen: Mittels "frisierter" Schülerzahlen wurden an einigen Volksschulen mehr Klassen als vorgesehen geführt - und dadurch geplante Standortschließungen verhindert.

Genau dieses Szenario droht nun an Niederösterreichs Pflichtschulen. Ein aktueller Rechnungshofbericht empfiehlt ob eines Schüler-Minus von 4,33 Prozent in den Jahren 1997 bis 2004 Kleinschulen zu schließen. Klassen mit unter 22 Schülern sollten "zu größeren Einheiten" zusammengefasst werden. Das dadurch erwartete Einsparungspotenzial beträgt 14,5 Millionen Euro.

Josef Kytir, Bevölkerungsexperte der Statistik Austria, erwartet, dass ländliche Schulen auch in anderen Teilen Österreichs zunehmend unter Druck geraten: "Das wird sich zunehmend verschärfen, weil es immer weniger Klientel für diese Institutionen gibt." Ein wesentlicher Faktor dafür sei die Abwanderung aus "problematischen" Regionen mit schlechtem Arbeitsmarkt: "Die jungen Menschen wandern ab, weil sie die Strukturprobleme dazu zwingen."

Aber auch der Geburtenrückgang dünnt die Landschulen aus. Prognosen der Statistik Austria zufolge, werden im Jahr 2031 nur noch 15 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahre alt sein. Die Entwicklung verläuft zwischen West-und Ostösterreich stark gegensätzlich. Während es 2013 mehr Tiroler (plus 13 Prozent), Vorarlberger (plus elf Prozent), oder Salzburger (plus sieben Prozent) geben wird, verlieren Kärnten und die Steiermark minus fünf, beziehungsweise minus drei Prozent ihrer Einwohner.

Würde die Ganztagsschule die Situation verbessern? Laut Kytir zeigt sich am Beispiel Skandinavischer Länder "zu Recht" ein positiver Zusammenhang zwischen ganztägiger Betreuung und der Geburtenrate. In Niederösterreich muss jedenfalls nach Auswegen gesucht werden: Während es im Schuljahr 2000/2001 elf einklassige Volksschulen gab, erhöhte sich ihre Zahl bis 2003/2004 auf 26. Jene Volksschulen mit einer bis drei Klassen wuchsen im gleichen Zeitraum von 108 auf 183.

Die Entscheidung darüber, ob eine zusätzliche Klasse eingerichtet wird, fällt im Volksschulbereich mit dem 31. Schüler. Er teilt die Taferlklassler in zwei Gruppen. (DER STANDARD, Karin Moser, Printausgabe, 5./6.2.2005)

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    grafik standard/quelle: rechnungshof
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