5.2.: Alles paletti auf der Klagenfurter Seebühne

10. Februar 2005, 14:30
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Haiders Prüfer sehen einen Überschuss

Klagenfurt - Den jüngst beschlossenen Untersuchungsausschuss zum Finanzdebakel auf der Klagenfurter Seebühne im Kärntner Landtag hätte man sich eigentlich sparen können. Zumindest aus Sicht der FP und ihres Kulturreferenten. Denn Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider legte überraschend am Freitag gemeinsam mit seinem scheidenden Finanzreferenten Karl Pfeifenberger die Endbilanz der Seebühne vor.

Verfasst von Günther Pöschl - bekannt als Haiders persönlicher Steuerberater - und geprüft von seinem Berufskollegen Dietrich Birnbacher, ehemals freiheitliches Mitglied des Klagenfurter Theaterausschusses. Beide Herren kommen zu dem Schluss: Es gibt weder einen strafrechtlichen noch einen insolvenzrechtlichen Tatbestand. Im Gegenteil:

Auf der Seebühne wurde so gut gewirtschaftet, dass sogar ein Überschuss von 130.000 Euro zu verzeichnen wäre. Wie diese Rechnung zustande kommt: Es wurden 2004 die 1,6 Millionen Euro Bundessubvention aus der Kunstförderung eingerechnet, die eigentlich für fünf Jahre ausgelegt und für die Infrastruktur zweckgewidmet war. Außerdem seien laut Pfeifen- berger der Wörthersee-Festspielgesellschaft vom Land 340.000 Euro Steuergeld im Nachtrag zugewiesen worden.

Und zu den fehlenden Kassabüchern meinte Birnbacher: Es habe lediglich an einem Abend einen Fehlbetrag von 4000 Euro gegeben. Die verantwortliche Mitarbeiterin sei sofort abgezogen worden. Die Hauptkassiererin habe sich bereit erklärt, für den Fehlbetrag geradezustehen.

Die Zwischenbilanz der unabhängigen Wirtschaftsprüfungskanzlei Huber&Rossbacher vom 30. September 2004 hatte noch einen Bilanzverlust von 2,1 Mio. Euro - DER STANDARD berichtete - festgestellt und der Seebühnen-Gesellschaft Konkursreife bescheinigt. "Wir hatten bis 24. Jänner keine Kenntnis davon, dass die gesamte Bundessubvention in die Bilanz 2004 hineinfließen darf", sagt Hermann Huber zum STANDARD.

Denn dafür hätte es eine Umwidmung seitens des Bundeskanzleramtes geben müssen. "Vielleicht ist das erst in den letzten Tagen passiert", sagt Huber. "Warum hat man dann die Prüfer plötzlich ausgewechselt?" Fraglich bleibt auch, ob die Ablöse für Doch-nicht-Intendant Renato Zanella eingerechnet wurde.

SP-Kultursprecherin Nicole Cernic: "Ich fordere das Bundeskanzleramt auf, die schriftliche Umwidmung vorzulegen." Was auch immer herauskommt, Haider reicht die Kulturagenden an Martin Strutz weiter. Und Pfeifenberger verlässt die Politik. (DER STANDARD, Printausgabe vom 5./6.2.2005)

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