Katzian neuer Chef der Privatangestellten

8. Februar 2005, 11:33
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Offizieller Amtsantritt bei Gewerkschaftstag im April - Kritik der Grünen Gewerkschafter

Wien - Der Vorstand der Privatangestelltengewerkschaft GPA hat am Freitagnachmittag den aus Stockerau stammenden ehemaligen Bankangestellten und langjährigen Gewerkschaftssekretär Wolfgang Katzian zum geschäftsführenden Vorsitzenden bestellt.

Die offizielle Übernahme des Vorsitzes auf einem Gewerkschaftstag im April gilt nur noch als Formsache - ein Faktum, das von den alternativen und Grünen Gewerkschaftern (AUGE) heftig krisiert wird. AUGE-Chefin Klaudia Paiha würde sich einen transparenteren Bestellungsvorgang, eine Auswahl unter mehreren, womöglich auch weiblichen Kandidaten und Zukunftskonzepte für die mitgliederstärkste Teilgewerkschaft wünschen.

Diese Konzepte wären insbesondere deshalb gefragt, weil im September 2004 die zwei Jahre vorher vom bisherigen GPA-Vorsitzenden Hans Sallmutter gemeinsam mit Metallergewerkschafter Rudolf Nürnberger an den Gremien und dem ÖGB-Präsidenten vorbei bekannt gegebene Fusion der beiden Gewerkschaften gescheitert ist.

Vor und erst recht nach den zweijährigen Fusionsbemühungen war das Verhältnis zwischen Angestellten- und Metallergewerkschaft stets gespannt. Gescheitert ist die Fusion an unterschiedlichen Auffassungen nicht nur im Bereich der gewerkschaftlichen Vertretung, sondern auch über die unternehmerischen Aktivitäten der GPA.

Katzian steht SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer näher als sein Vorgänger Sallmutter, der Gusenbauer mehrfach kritisiert hatte. Für das Katzian zugesagte Nationalratsmandat hat diese Nähe aber nicht gereicht: Als das Mandat von Metallgewerkschafter Nürnberger im Juni 2004 nachzubesetzen war, ging es überraschenderweise nicht an Katzian sondern an den für die Grundsatzpolitik des Gewerkschaftsbundes zuständigen Leitenden Sekretär des ÖGB, Richard Leutner. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6. 2.2005)

Von Conrad Seidl
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