Shinawatra auf der Siegerstraße

6. Februar 2005, 20:53
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Sechs Wochen nach der Flutkatastrophe wählt Thailand neues Parlament - Premier Thaksin Shinawatra steht vor Wiederwahl

Bangkok - Rund die Hälfte der 44 Millionen thailändische Wähler haben zwei Tage vor der Parlamentswahl am Sonntag eine SMS bekommen, die sie freundlich daran erinnert, doch bitte an die Urnen zu gehen. "Sie sind herzlich eingeladen, am 6. Februar zwischen acht und 15 Uhr ihr Wahlrecht auszuüben", lautet die am Freitag an alle wahlberechtigten Handybesitzer des Landes verschickte Botschaft. Die staatliche Wahlkommission hatte die Mobilfunkgesellschaften dazu aufgefordert, aber der Premierminister hatte gewissermaßen sein eigenes Interesse daran: Das größte Mobilfunkunternehmen des Landes, AIS, gehört der Familie von Regierungschef Thaksin Shinawatra.

Thaksin, eine Art Berlusconi Südostasiens, der auch als Premier nicht von seinem Geschäftsimperium in der Telekommunikation lassen wollte und mit populistischen Slogans und seiner eigens gegründeten "Thai Rak Thai"-Partei - "Thai lieben Thais" - die Parlamentswahlen 2001 im ersten Anlauf gewann, hat heute in den Augen der meisten Thailänder eine gute Bilanz vorzuweisen. Das Wirtschaft des Landes, das 1997 von der Asienkrise bis ins Mark erschüttert worden war, wächst heute mit rund sechs Prozent im Jahr - stärker wächst in der Region nur China. Sein Versprechen an die ländliche Bevölkerung, jedem Dorf mit Direkthilfen beizuspringen, hat Thaksin, ein früherer Polizist, halbwegs eingehalten.

Auch ohne die Flutwelle und sein Krisenmanagement wäre dem 51-Jährigen der Sieg kaum zu nehmen gewesen, glauben westliche Beobachter in Bangkok. Nun aber scheint die oppositionelle Demokratische Partei ihre Ansprüche noch weiter zu reduzieren. Ihre Kampagne zielt nur noch darauf, mehr als 200 der 500 Sitze zu gewinnen, um dem Premierminister das Misstrauen aussprechen zu können.

Internationale Kritik und ernsthafte Verstimmungen mit dem überwiegend muslimischen Nachbarstaat Malaysia hat sich Thailands Premier jedoch wegen seines autoritären Vorgehens in den südlichen muslimischen Provinzen des Landes eingehandelt. 500 Menschen kamen dort im vergangenen Jahr bei separatistischen Unruhen um, allein 85 erstickten beim Transport zu einem Verhör. Eine Anti-Drogen-Kampagne, bei der mutmaßliche Drogenhändler durch Mordkommandos verfolgt wurden, stärkte das Bild eines Premiers, der es mit dem Rechtsstaat nicht so genau nimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2005)

  • Mehr als 44 Millionen Menschen sind in Thailand am Sonntag zu den Wahlurnen gerufen.
    foto: epa/yongrit

    Mehr als 44 Millionen Menschen sind in Thailand am Sonntag zu den Wahlurnen gerufen.

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