Mittelalter, Wettskandal und Sauberkeit

12. Februar 2005, 14:32
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Schiedsrichter Jürgen Jansen bestreitet jegliche Verwicklung und spricht von Hexenjagd

Passau - Die letzten Tage haben bei Jürgen Jansen deutliche Spuren hinterlassen. "Emotional sehr angegriffen und geladen", beschrieb der deutsche Bundesliga-Schiedsrichter seinen Zustand. Umso mehr war es dem im Zuge des Manipulationsskandals um Robert Hoyzer unter Verdacht geratenen Jansen am Freitag ein Bedürfnis, öffentlich in die Offensive zu gehen.

Jansen beteuert Unschuld

In einer einstündigen Pressekonferenz in Passau, die sogar live im Fernsehen übertragen wurde, beteuerte der 44-Jährige seine Unschuld. Vorwürfe gegen seine Person, Fußballspiele manipuliert zu haben, versuchte der Unparteiische aus Essen auch mit Videosequenzen aus den Begegnungen St. Pauli gegen Leverkusen vom 16. Februar 2002 (2:2) und Kaiserslautern gegen Freiburg vom 27. November 2004 (3:0) zu entkräften. Im Rahmen seiner gesamten Karriere als Schiedsrichter "habe ich nie ein Spiel verpfiffen", betonte Jansen. Zudem habe er nie von Dritten "Vorteile gefordert, mir versprechen lassen oder angenommen. Ich habe ein reines Gewissen." Zugleich brach der Referee auch eine Lanze für seine Kollegen in der ersten Fußball-Bundesliga. "Die sind sauber", sagte Jansen und fügte hinzu: "Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, werde ich wieder bei euch sein."

Bisher haben Jansen, dessen Essener Wohnung von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurde, und sein Passauer Anwalt Stephan Reiffen noch keine Einsicht in die Akten erhalten. Dies soll aber bald erfolgen, so Reiffen, der von "schweren strafrechtlichen Vorwürfen" sprach.

Hexenjagd im Mittelalter

Jansen ersuchte die Medien um "Respekt und Fairplay". Speziell seinen Kinder gegenüber. "Da spielen sich Jagdszenen ab. Die Kinder können nicht mehr zur Schule, werden verfolgt und angespuckt. Das kommt einer Hexenjagd im Mittelalter gleich. Dies hat Robert Hoyzer zu verantworten." Seine in einem Interview geäußerte Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB), er sei das Bauernopfer, man sehe zu, wie jemand geschlachtet werde, nahm Jansen indes teilweise zurück. In der ersten Erregung habe er "in der Aussage überzogen", so der Schiedsrichter, der private und persönliche Kontakte zu Hoyzer abstritt. (DER STANDARD Printausgabe 05./06.02.2005)

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