Asfinag bleibt auf der Schuldenstraße

17. Februar 2005, 12:00
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Die Autobahnfinanzierungsgesellschaft ist fest entschlossen, den italienischen Partner Autostrade bei der Mautbetreibergesellschaft Europpass auszukaufen

Wien – Hohen Erklärungsbedarf hatte Asfinag-Aufsichtsrat Johann Quendler nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag. Zum einen versicherte der Klagenfurter Anwalt wortreich, dass die vorzeitige Ablöse von Asfinag-Chef Walter Hecke per 31. Jänner deutlich billiger ist, als es ein Ausdienen des bis Mitte 2006 laufenden Vorstandsvertrags gewesen wäre. "Hecke ist nicht deshalb ausgeschieden, weil er das gewünscht hat, sondern weil es Auffassungsunterschiede gab", sagte Quendler in einer Pressekonferenz am Freitag. Laut Wirtschaftsblatt beträgt Heckes Abfindung 250.000 Euro.

Worin die Differenzen konkret bestanden, verriet Quendler nicht. Zur Erinnerung: Unter seinem Vorgänger als Präsident, Franz Kubik, der Hecke bestellt hatte, sollte die Asfinag kapitalmarktfähig gemacht werden und zu rund 30 Prozent an Privatinvestoren bzw. an einen "Österreich-Fonds" verkauft werden. So wollte man Geld in die Kassen bekommen, den Schuldenanstieg (bis 2012 werden es zwölf Milliarden Euro sein, Anm.) einbremsen und politische Einflussnahme hintanhalten. Außerdem sollte eine Pkw- Maut eingeführt werden, was den FPÖ-Infrastrukturministern allerdings politisch zu heiß war.

Vorstand wird verkleinert

Nun wird nur der Asfinag-Vorstand verkleinert und zwar auf Franz Lückler (ehemals Büroleiter von Landeshauptmann Waltraud Klasnic) und Christian Trattner, ehemals im Finanzministerium. Lückler ist für den Außenauftritt zuständig.

Im Gegensatz zu Hecke sind sich Quendler, Lückler und Trattner einig darüber, dass die Asfinag der Autostrade den Mautinkassanten Europpass abkaufen wird. Über den Preis dafür wird verhandelt, es dürfte sich um gut 200 Millionen Euro handeln. Dafür habe man künftig auch das Mautinkasso in der Hand und könne einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen, betonte Trattner. Weil man sich günstiger refinanzieren könne als Privatunternehmen und Doppelstrukturen wegfielen.

Die Kritik, warum mit Steuergeld ein gut funktionierendes, aber gegenüber satellitengestützten Systemen technologisch weniger innovatives Mautsystem gekauft wird, kontert Quendler: "Die Asfinag will künftig nicht nur eine Autobahnfinanzierungs- sondern auch eine vollwertige -betriebsgesellschaft sein."

Bewerbung um Mautprojekte in Tschechien und Slowakei

Fix ist auch, dass sich die Asfinag bei Mautprojekten in Tschechien und Slowakei in Konsortien mit der österreichischen Industrie bewerben wird, dies aber ohne Kapitalbeteiligungen mit den Partnern. Zu diesem Zweck wird eine Tochtergesellschaft gegründet, die dann je nach Ausschreibungsbedingungen Kooperationen mit heimischen Industrie- und Technologieunternehmen eingeht. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.2.2005)

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