Berlusconi umwirbt Bonino

11. Februar 2005, 12:26
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Hofft seine Mitte-Rechts-Koalition um die Radikale Partei der Ex-EU-Flüchtlingskommissarin zu erweitern - Wappnung für Regionalwahlen

Rom - Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hofft, seine Mitte-Rechts-Koalition um die Radikale Partei der Ex-EU-Flüchtlingskommissarin Emma Bonino in Hinblick auf die Regional- und Teilkommunalwahlen am 3. und 4. April erweitern zu können. Der 68-jährige Medienmagnat will die "Koalition liberal-orientierte Parteien" stärken, die die Mitte-Links-Allianz "Ulivo" um Oppositionschef Romano Prodi stoppen soll, berichten italienische Medien am Freitag.

"Wir wollen unsere föderalistische und liberale Revolution in Italien mit Hilfe der Radikalen fortsetzen", versicherte Berlusconi. Er versprach Bonino und dem Radikalenchef Marco Pannella, sie in ihrem Wahlkampf zu unterstützen und bei diversen Anliegen - v.a. stärkere Liberalisierung im Wirtschaftsbereich - zu fördern.

Seit mehreren Monaten ist die vom Reformpolitiker Pannella gegründete Partei der Radikalen auf der Suche einer politischen Identität im italienischen Parteiensystem, das sich in den vergangenen Jahren trotz seiner Zersplitterung deutlich in zwei Blöcke - Regierungskoalition und Mitte-Links-Allianz - geteilt hat. Seit einigen Tagen scheinen die Verhandlungen mit Bonino in die entscheidende Runde getreten zu sein. Die Regionalwahlen sind für Berlusconi ein entscheidender Test in Hinblick auf die Parlamentswahlen im Frühjahr 2006, von denen er sich ein zweites Mandat als Regierungschefs erhofft.

Radikalen verhandeln auch mit Opposition

Die Radikalen führen auch Verhandlungen mit der Opposition. "Der Block, der uns aufnimmt, hat die Garantie, in vier italienischen Regionen zu gewinnen", sagte Pannella im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Anfang April wird die neue politische Führung in 14 der 20 Regionen gewählt.

Pannella gab zu verstehen, dass seine Ansichten in punkto Drogenliberalisierung und Bioethik - zwei Hauptthemen im politischen Programm der Radikalen - jenen der Mitte-Links-Allianz näher seien. "Wir wollen uns aber noch ein wenig Zeit nehmen, bevor wir politische Beschlüsse fassen", so Pannella. (APA)

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    Die Führungsfiguren der Radikalen Partei: Emma Bonino, Marco Pannella , Daniele Capezzone

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