Entführte Italienerin: Weitere Gruppe bekennt sich

7. Februar 2005, 16:10
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Zweite Gruppe droht mit Ermordung der Journalistin - Zweifel an Echtheit des ersten Bekennerschreibens: Forderung nach italienischem Truppenabzug

Dubai/Rom - Zu der Entführung der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena im Irak hat sich eine weitere islamistische Gruppe bekannt. In einer im Internet veröffentlichten und auf Samstag datierten Erklärung der "Organisation des Jihad im Zweistromland" drohte die Gruppe damit, ihre Geisel zu töten, sollte die italienische Regierung ihre Truppen nicht bis Montag aus dem Irak abziehen. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden.

Zweifel an Echtheit des ersten Bekennerschreibens

Bereits am Freitag hatte sich eine Extremistengruppe mit ähnlichem Namen - "Organisation des islamischen Jihad" - zur Entführung der 56-jährigen Italienerin bekannt, aber nicht mit der Tötung der Geisel gedroht. Die Gruppe hatte ebenfalls den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak gefordert. Allerdings mischen sich in die Besorgnis um die Geisel auch Zweifel an Echtheit des Bekennerschreibens. Ein Sprecher der Hilfsorganisation "Un ponte per..." sagte am Samstag, der im Bekennerschreiben vom Freitag genannte Name "Organisation des islamischen Dschihad" sage nichts aus. "Das identifiziert keine bestimmte Gruppe."

Die Gruppen veröffentlichten ihre Erklärungen jeweils auf Seiten, die in der Vergangenheit nicht von den größeren Extremistengruppen im Irak benutzt worden waren. "Wir in der Jihad Organisation (...) kündigen an, dass wir bei der italienischen Gefangenen Giuliana Sgrena Gottes Gesetz (Töten) nach 48 Stunden anwenden werden, wenn die italienische Regierung, angeführt von dem Kriminellen Berlusconi, nicht den Rückzug aus dem Irak ankündigt", hieß es in der Erklärung.

Fahrer und Dolmetscher der Italienerin verhaftet

Indes wurden der Fahrer und der Dolmetscher der Entführten am Samstag in der irakischen Hauptstadt festgenommen. Die beiden Iraker wurden von den US-amerikanischen und irakischen Behörden zu den Hintergründen der Entführung vernommen, wie das italienische Staatsfernsehen RAI berichtete. Der Dolmetscher wurde nach einigen Stunden freigelassen.

Schießerei

Die 56-jährige Giuliana Sgrena, Reporterin der kommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto", war in der Nähe der Universität in der irakischen Hauptstadt von einem bewaffneten Kommando gekidnappt worden, während sie zu einer sunnitischen Moschee fuhr. Zeugenberichten zufolge kam es zu einer Schießerei, als die Täter die Journalistin in ein Fahrzeug zerrten.

Innenministerium will verhandeln

Innenminister Giuseppe Pisanu versprach den vollen Einsatz der Regierung zur Befreiung der Reporterin. "Wenn es sich um eine politische Entführung handelt, werden die Kidnapper bald erfahren, dass sich Sgrena für die Rechte der irakischen Frauen einsetzte und dass sie dem irakischen Volk sehr nahe steht. Wenn es sich um Kriminelle handelt, könnten die Verhandlungen langwieriger sein", sagte der Innenminister.

Regierungschef Silvio Berlusconi erklärte sich über die Entführung bestürzt und versprach seinen vollen Einsatz zur Befreiung der Reporterin. Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, kündigte für den heutigen Samstag eine Solidaritätskundgebung mit Sgrena, einer angesehenen Schriftstellerin und Islamexpertin, vor dem römischen Rathaus.

Die Entführung Sgrenas ist ein neuer Schock für Italien, sechs Monate nach dem Mord am Journalisten Enzo Baldoni im Irak. Seit einem Monat sind dort auch die französische Journalistin Florence Aubenas ("Liberation") und ihr irakischer Mitarbeiter verschollen. (APA/Reuters)

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    Zeitungsreporterin Giuliana Sgrena arbeitet für die linke Zeitung "Il Manifesto".

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