Zwei Meister für "Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper"

11. Februar 2005, 14:41
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Wiener Michael Kropf und Ungar Sandor Nemethy leiten die beiden Ensemble-Teile

Wien - Ab der Saison 2005/2006 werden die Ballettensembles der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien zum "Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper" fusioniert. Es wird aber zwei Ballettmeister geben: Der Wiener Michael Kropf führt ab Herbst den in der Volksoper stationierten Teil des Ensembles, bestätigte der designierte gemeinsame künstlerische Leiter Gyula Harangozo am Freitag einen Bericht der Tageszeitung "Die Presse", Sandor Nemethy jenen in der Staatsoper.

Michael Kropf (40) erhielt seine Tanzausbildung an der Ballettschule der Wiener Staatsoper und der staatlichen Ballettschule Budapest. Danach tanzte er zwei Saisonen an der Staatsoper München, ein Jahr beim Györer Ballett, später im Calgary City Ballett und war als Gastsolist unter anderem bei den Salzburger Festspielen zu sehen. Er hat in den vergangenen zehn Jahren 24 Stücke choreografiert, unter anderem "Turandot" in St. Margarethen.

Zwischen 1982 und 1984 war er gemeinsam mit Harangozo als Tänzer in München engagiert, später bestritt Kropfs eigene Tanzkompanie für Harangozo, der Ballettdirektor der Budapester Staatsoper ist, jahrelang die Opern-Einlagen. Kropf hat einen Dreijahres- Vertrag mit Option auf zwei Jahre Verlängerung.

Sandor Nemethy ist seit 2002/2003 Erster Ballettmeister an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Der gebürtige Ungar wurde am Staatlichen Ballettinstitut in Budapest ausgebildet. Er war Erster Solist am Budapester und Zürcher Opernhaus, an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und am Amsterdamer Het Nationale Ballet, gastierte jahrelang als Erster Solotänzer an der Deutschen Oper Berlin, beim Finnischen und Norwegischen Nationalballett oder an der Niedersächsischen Staatsoper in Hannover und wurde zu Gastauftritten an das Moskauer Bolschoi Theater, die Metropolitan Opera in New York und weitere Opernhäuser in Europa und in den USA verpflichtet.

Als Ballettpädagoge arbeitete er mit den Tänzern des Basler Balletts, der Ungarischen Staatsoper und Ballettakademie, der Mailänder Scala und dem Finnischen und Norwegischen Nationalballett. Neben Stationen wie Düsseldorf, Neapel, Verona, Zürich oder Genf führte ihn seine Tätigkeit als Ballettmeister zuletzt wiederholt zum Ballett der Wiener Staatsoper.

Zusammenführung und Aufteilung

Harangozo betonte, er habe insgesamt, d.h. Volks- und Staatsopernballett zusammen gezählt, 109 Planstellen übernommen und werde diese Zahl nicht reduzieren. In beiden Häusern sei jeweils rund ein Dutzend der Ensemblemitglieder nicht übernommen worden. "Nicht weil sie nicht gut genug waren, sondern weil es meine Aufgabe ist, die beiden Kompagnien zusammenzuführen und kompatibel zu machen", so Harangozo. Schließlich sollen künftig alle Tänzer in beiden Häusern einsetzbar sein, auch wenn weiterhin getrennt trainiert wird.

In der Staatsoper sollen die großen klassischen Handlungsballette aufgeführt werden, in der Volksoper will man mit moderneren und "gewagteren" Stücken, auch für Kinder, ein jüngeres Publikum ansprechen, kündigte Harangozo an. Die Gehälter der Volksoper sollen an jene der Staatsoper angeglichen werden.

Noch nicht entschieden sei, ob Solisten, die in Pension gehen, nachbesetzt werden. Auf Anregung von Staatsoperndirektor Ioan Holender werde überlegt, diese Stellen stattdessen mit wechselnden Gästen zu besetzen und mit diesem Modell, nach dem Vorbild der Staatsoper, auch bessere Verkaufszahlen zu erzielen. (APA)

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