Verständliches Benutzerhandbuch

4. Februar 2005, 14:06
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Studententeam der Uni Graz im Rahmen eines Wettbewerbs für verständliche Vorschläge ausgezeichnet

Graz - Autos verwöhnen heute mit jeder Menge Komfort. Doch je raffinierter ein Modell, umso länger und komplexer ist für gewöhnlich seine Betriebsanleitung. Wenn ein Blinkerlämpchen am neuen Auto ausfällt und man im Index der 500-seitigen Bedienungsanleitung erst unter "Fahrtrichtungsanzeige" fündig wird, dann kann beim stolzen Autobesitzer schon Ärger aufkommen. Für ihre Vorschläge, wie Benutzerhandbücher verständlicher, knapper und übersichtlicher strukturiert sein könnten, wurde ein Studententeam der Uni Graz kürzlich von DaimlerChrysler im Rahmen eines Wettbewerbs ausgezeichnet.

Von der ergonomischen Sitzeinstellung bis zum Tempomat lassen sich High-Tech-Karossen bis ins Detail den individuellen Wünschen ihrer Benützer anpassen: Vorausgesetzt man versteht die Bedienungsanleitung und findet darin überhaupt das, was man sucht. "Wer sucht schon einen Verbandskasten unter dem Stichwort 'Bordapotheke', so die Grazer Übersetzungswissenschafterin Susanne Göpferich vom Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (ITAT) über ihre eigenen Erfahrungen mit Betriebsanleitungen.

Verständlichkeit und Alternativen

Auf diese Knackpunkte gelte es unter anderem bei Bedienungsanleitungen besonders zu achten: "Die Terminologie muss der Sprache der Kunden entsprechen, beziehungsweise sollte zumindest das Verzeichnis alternative Bezeichnungen beinhalten und auf die entsprechenden Textstellen verweisen", so die Professorin für Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft.

Diese und andere Quellen des Kundenärgernisses will man bei DaimlerChrysler zum Versiegen bringen und hat dazu auch einen Wettbewerb ausgeschrieben - mit dem Ziel, Ideen für eine Überarbeitung der Betriebsanleitungen zur Mercedes-Benz-E-Klasse zu sammeln. Gefordert war u.a. die beispielhafte Bearbeitung diverser Musterthemen, wie "Multifunktionslenkrad", "Tempomat" oder auch "Fahrer- und Beifahrersitz".

Preis

Größtmögliche Verständlichkeit und Klarheit von Struktur und Text war das Ziel. Göpferichs Studenten haben im Zuge eines Wettbewerbs Vorschläge erarbeitet, wie man Teile des Benutzerhandbuchs der Mercedes-Benz E-Klasse in eine neue Form bringen könnte: verständlicher, knapper und übersichtlicher strukturiert. Das Unternehmen verlieh ihnen dafür einen ersten Preis und dotierte ihn mit 7.500 Euro.

Die Arbeit für DaimlerChrysler war eines der Projekte des von Göpferich ins Leben gerufenen "Labors für Kommunikation und Dokumentation" (LabCom.Doc) am Institut für Translationswissenschaft. Schwerpunkt des Labors ist die Entwicklung einer einheitlichen Verwendung von Ausdrücken in technischen Texten und Betriebsanleitungen. Weiters führt es auch Analysen von Dokumenten, praktische Benutzertests, Beratungen und Mitarbeiterschulungen durch. (APA)

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