Wifo-Chef: Lohnsenkungen "kein Weg"

17. Februar 2005, 15:54
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Aiginger: Höhepunkt bei Arbeitslosigkeit überschritten, aber Wachstumsrate von drei Prozent für Rückgang nötig - Nulldefizit 2008 "nur mit Engagement möglich"

Wien - Bei der Arbeitslosigkeit in Österreich sollte der Höhepunkt jetzt überschritten sein, dennoch dürfte der Rückgang nur schwach ausfallen, erwartet der neue Wifo-Chef Karl Aiginger. Wesentliche Faktoren im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seien mehr Wachstum sowie Verbesserungen bei der Qualifikation der Arbeitnehmer und beim Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Jede Arbeitsmarktpolitik, die nur an einer Seite ansetze, werde fehlschlagen. Lohnsenkungen seien für Österreich kein Weg, meinte Aiginger im APA-Interview.

Wachstum von drei Prozent nötig

Laut Wifo-Berechnungen könne die Arbeitslosigkeit erst ab einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent sinken, bei zwei Prozent würde sie im besten Fall stagnieren. Dabei wird angenommen, dass das Arbeitskräfteangebot um 0,5 Prozent wächst. Das Arbeitsangebot könnte aber flexibler reagieren und etwa um 0,7 Prozent expandieren, und damit wären eher drei Prozent Wirtschaftswachstum nötig, so Aiginger.

Lösungsmöglichkeiten für die Misere am Arbeitsmarkt sieht der Wifo-Chef in Vermittlung und Umschulung sowie in der Verbesserung der Qualifikation. Zentraler Punkt sei die Weiterbildung, bisher seien ältere Arbeitnehmer mit falscher Qualifikation in Frühpension geschickt worden, "das können wir uns nicht mehr leisten". Finanziert werden solle die Weiterbildung vom Staat, den Unternehmen und den Betroffenen: "Das müssen alle drei Partner zusammen tun."

Vorgeschlagen hat Aiginger bereits ein "Weißbuch" zum Thema Aus- und Weiterbildung, das langfristige Strategien unabhängig von tagespolitischen Notwendigkeiten vorgeben soll.

"Lohnsenkungen nicht die richtige Strategie"

Lohnsenkungen seien für Österreich nicht die richtige Strategie. Man könne nicht mit den Löhnen der Erweiterungsländer mithalten, dies sei eine Defensivstrategie. Flexibilisierung und Kostensenkung funktionierten nur, wenn ein längerfristiges Ziel gegeben ist und dies auch für die betroffenen Arbeitnehmer nachvollziehbar sei. Nichts abgewinnen kann Aiginger auch Ideen, mit einer Verkürzung der Arbeitszeit die Arbeitslosigkeit senken zu wollen. Arbeitszeitverkürzungen würden nur bei den Beziehern niedriger Einkommen eins zu eins weitergegeben, während besser Verdienende ihr Entgelt stärker selbst beeinflussen könnten: "Im oberen Teil beginnen dann alle mehr zu hackeln."

Nulldefizit 2008 nur mit Engagement möglich

Sein für 2008 geplantes Nulldefizit werde Finanzminister Karl-Heinz Grasser nur mit besonderen Anstrengungen erreichen können, sagte Aiginger weiters. "Ein Nulldefizit in drei Jahren ist ohne zusätzliche Initiative Sehr, sehr schwer erreichbar." Dies sei dem Finanzminister auch bewusst. Vor allem müsse das Wirtschaftswachstum erhöht und bei den Staatsaufgaben gespart werden.

"Bei 45 Prozent Staatssektor muss es möglich sein, Kosten zu senken und alte, überkommene Aufgaben des Staates aufzugeben." Fortschritte seien dazu auch bei der Verwaltungsreform möglich, hier seien Bund, Länder und Gemeinden gefordert. (APA)

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