Irak auch nach Wahlen im Würgegriff der Gewalt

5. Februar 2005, 15:36
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Italienische Journalistin entführt - Aufständische intensivieren Angriffe - Rumsfeld hofft auf Umdenken in Bevölkerung

Bagdad - Auch nach den allgemeinen Wahlen im Irak vom 30. Jänner hält die Gewalt gegen die ausländischen Truppen und deren Verbündete unvermindert an. Aufständische haben am Freitagmorgen nördlich von Diwaniya einen Konvoi irakischer Soldaten überfallen und dabei sechs von ihnen getötet. Das bestätigte die Polizei. In Mossul im Norden wurde bei einem Bombenanschlag auf einen amerikanischen Konvoi abermals ein US-Soldat getötet, wie die Streitkräfte am Freitag mitteilten,in weiterer Soldat wurde verletzt. Auch in Bagdad detonierte ein Sprengsatz neben einem Militärkonvoi, doch gab es keine Opfer. Am Vortag hatten Anschläge im mehreren Landesteilen Dutzende von Opfern gefordert.

Journalistin entführt

Die Soldaten in Diwaniya waren auf dem Weg in die Hauptstadt Bagdad, um dort an einer Fortbildung teilzunehmen. In einem ähnlichen Hinterhalt hatten die Rebellen am Vortag in Abu Ghraib zwei irakische Polizisten getötet und neun weitere verschleppt. Das bestätigte die Polizei am Freitag. Mehrere Polizisten seien bei dem Feuergefecht verletzt worden, zehn konnten fliehen. In Bagdad ist eine italienische Journalistin entführt worden, das bestätigte ein italienischer Diplomat am Freitag. Nach Angaben der irakischen Polizei wurde die Zeitungsreporterin Giuliana Sgrena von vier Männern in einem Wagen verschleppt. Sie arbeitet für die linke Zeitung "Il Manifesto".

Moschee gestürmt

Ein irakischer Bauunternehmer, der für die US-Streitkräfte ein Straßenprojekt am Bagdader Flughafen leitete, wurde am Freitag erschossen. Die Täter seien neben sein Auto gefahren und hätten dann die tödlichen Schüsse abgegeben, teilte die Polizei mit. Im Norden von Bagdad stürmten sunnitische Extremisten eine schiitische Moschee und brachten einen Sprengsatz zur Explosion. Es entstand Sachschaden.

Nach den Wahlen hofft US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf einen Wendepunkt im Verhalten der irakischen Bevölkerung gegenüber den Koalitionstruppen. "Ich erwarte, dass Gewalt und Aufstand auf diesem Niveau weitergehen", sagte er am Donnerstag (Ortszeit) vor Journalisten in Washington. Zugleich könnten aber auch mehr Iraker sich nun ermutigt fühlen, Informationen an die Sicherheitskräfte weiterzugeben. Mit der Zeit werde auch die Unterstützung für die irakische Regierung zunehmen.

Al-Hakim: "Große Fehler" der Besatzungstruppen

Der führende Schiitenpolitiker Abdulaziz al-Hakim, Vorsitzender des "Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI) warf unterdessen der Übergangsregierung von Premier Iyad Allawi und den Besatzungstruppen "große Fehler" vor. Sie hätten die aktuellen Sicherheitsprobleme mit verschuldet, sagte der SCIRI-Chef dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus". Die Iraker wollten, dass die Besatzer das Land verließen, sobald genügend Armee-, Polizei- und Sicherheitskräfte ausgebildet seien. "Kein stolzer Bürger will ausländische Soldaten in seinem Land sehen."

Bei der Einnahme der irakischen Stadt Falluja haben die US-Truppen im November vorigen Jahres nach Informationen der konservativen französischen Tageszeitung "Le Figaro" drei französische moslemische Kämpfer gefangen genommen. Unter ihnen seien ein 19-Jähriger und ein 22-Jähriger aus Paris, die im Frühjahr 2004 über Syrien in den Irak gezogen seien, berichtet die Pariser Zeitung in ihrer Freitag-Ausgabe. Die beiden gehörten zu einer radikalen Moslemgruppe, die vergangene Woche in Paris ausgehoben worden sei. Laut "Figaro" sind im Frühjahr des Vorjahres neun Franzosen - Nachkommen nordafrikanischer Einwanderer - in den Irak gezogen, um in Falluja gegen die US-Armee zu kämpfen. Fünf seien bei der Belagerung der Stadt umgekommen, darunter drei 19-Jährige aus der Pariser Gruppe. (APA/dpa/AP/AFP)

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    Zeitungsreporterin Giuliana Sgrena wurde von vier Männern in einem Wagen verschleppt. Sie arbeitet für die linke Zeitung "Il Manifesto".

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    Im Norden von Bagdad stürmten sunnitische Extremisten eine schiitische Moschee und brachten einen Sprengsatz zur Explosion. Es entstand Sachschaden. Das Gebet fand im Freien statt.

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