Frauenspezifische Hilfe in Tamil Nadu

4. Februar 2005, 13:50
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Nach der Flutkatastrophe startet "Frauen ohne Grenzen" gemeinsam mit lokalen Organisationen eine Fraueninitiative in Südindien

Wien - Die österreichische Menschenrechtsorganisation "Frauen ohne Grenzen" startet gemeinsam mit einer lokalen Dachorganisation von 30 Frauen-Gruppen eine Initiative in der von der Tsunami-Katastrophe betroffenen südindischen Region Chennai im Unionsstaat Tamil Nadu. "Wir wollen die Situation ausnutzen, um bei den Frauenrechten weiterzukommen", sagte Neela Valli, Leiterin der Dachorganisation, am Freitag in Wien. Die Frauen müssten beim Wiederaufbau stärker involviert sein, forderte Frauen-ohne-Grenzen-Vorsitzende Edit Schlaffer.

Fuß fassen

Im Zuge des Projektes "Connecting Women and Children for Hope!" soll Frauen in rund zehn Dörfern geholfen werden, "wirtschaftlich und psychisch wieder Fuß zu fassen", damit sie sich aktiv am Wiederaufbau beteiligen können. "Ohne Frauen ist keine langfristige Entwicklung möglich, ohne Frauen gibt es keinen Wiederaufbau", sagte Schlaffer.

Frauenspezifische Benachteiligung

Valli kritisierte, dass Behörden und Regierung in Indien hinsichtlich der spezifischen Bedürfnisse der weiblichen Bevölkerung in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten "blind" seien. Die Notwendigkeit von Binden oder Unterwäsche werde ignoriert; ebenso würde keine spezielle Nahrung für Schwangere und stillende Mütter bereit gestellt. Laut Schlaffer werden in der patriarchalischen Gesellschaft von Chennai Frauen oft nicht zum Haushalt gezählt und bleiben daher von Hilfsgütern, die pro Haushalt zugeteilt werden, ausgeschlossen.

Im Zuge des Projekts soll Frauenkollektiven Sachgüter zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise Fischernetze und -boote. Diese sollen vermietet werden, um aus dem Erlös den Frauen das Überleben zu sichern und ihnen eine finanzielle Basis zu bieten. In zwei Dörfern sei dieses System von den Männern bereits akzeptiert worden, in anderen gebe es noch Diskussionen, berichtete Valli.

Betreuung von Kindern

Ein weiterer Schwerpunkt der von Frauen-ohne-Grenzen mit durchgeführten und dem Verein "Wider die Gewalt" unterstützten Initiative ist die Betreuung von Kindern. Nicht nur Frauen, sondern auch Kinder seien durch die Katastrophe traumatisiert und bräuchten sofortige psychologische Hilfe, führte Valli aus. Hinzu komme die nötige Versorgung von Waisen.

Der Erlös aus dem am Freitag im Wiener Rathaus stattfindenden Balls "Nacht der Wiener Wirtschaft" kommt "Connecting Women an Children for Hope!" zugute. In Tamil Nadu hat die Flutkatastrophe rund 8.000 Todesopfer gefordert. Nach den Angaben Vallis hat auf Grund der Männer-dominierten Gesellschaft der Region nur ein Prozent des vernichteten Besitzes Frauen gehört. (APA)

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    Überlebende der Flutkatastrophe aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu haben Unterschlupf in einem Tempel in Nagappattinam gefunden.
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