Aufklären und einschreiten

4. Februar 2005, 20:39
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Resümee und Ausblick anlässlich des zweiten internationalen Kampftages gegen Genitalverstümmelung an Frauen am 6. Februar

Wien - Anlässlich des bevorstehenden "International Day of Zero Tolerance to FGM" am 6. Februar, erklärte die Wiener Frauenstadträtin Sonja Weshely die Genitalverstümmelung von Frauen als weltweites Problem, das auch vor Österreich nicht Halt macht. Weshely zeigte sich bei der Pressekonferenz am Freitag erfreut, dass es gelungen ist, das Thema weibliche Genitalverstümmelung aus dem Tabubereich zu bringen: "Das ist immer der erste Schritt". SPÖ-Abgeordnete und Vorsitzende von StopFGM, der österreichischen Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung, Petra Bayr, machte darauf aufmerksam, dass FGM nicht nur ein internationales Thema ist, sondern sich auch direkt vor unseren Augen, in Österreich, abspielt. An der Medienkonferenz nahmen außerdem Petra Bayr von der österreichischen Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung "stopFGM", Almaz Böhm, stellvertretende Vorsitzende von "Menschen für Menschen", sowie CARE-Projektleiterin Christina Stummer teil.

Statistisches

Jedes Jahr werden weltweit rund 2 Millionen Mädchen genital verstümmelt. Mehr als 155 Millionen Frauen leiden an den Folgen dieser brutalen Verstümmelung. FGM stellt eine der grausamsten Formen der Gewaltausübung gegenüber Frauen dar und hat massive gesundheitliche und psychische Folgen für die betroffenen Frauen. "Um diesem brutalen Ritual ein Ende zu bereiten, ist vor allem Aufklärungsarbeit nötig - und zwar bei Männern und Frauen", unterstrich Wesehly. In diesem Zusammenhang verwies die Stadträtin die auf die Afrikanische Frauenorganisation (AFO), die in Wien wichtige Arbeit für Betroffene leistet.

stop FGM soll vernetzen und informieren

Die österreichische Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung wurde ein halbes Jahr nach Ausrufung des internationalen Tages gegen FGM im Herbst 2003 gegründet. "Seither haben uns Hunderte Einzelpersonen, Organisationen und Politikerinnen unterstützt", freute sich Bayr. "Ziel der Plattform ist es, zu vernetzen, Zusammenarbeit zu fördern und den Dialog entstehen zu lassen", betonte Bayr. So wurde zum Beispiel seitens der Plattform ein Fragebogen, der sich an GynäkologInnen und Hebammen richtet, entwickelt. "Ein weiterer Arbeitsbereich ist das Zugehen auf afrikanische Vereine und Institutionen", so Bayr. Man wolle versuchen, als Vermittlerin zwischen BeraterInnnen und Mitgliedern der African Community zu agieren und vor allem dem Wissen Folge leisten, dass 30 Prozent aller in Österreich lebendere AfrikanerInnen erwägen, ihre Töchter genital verstümmeln zu lassen, erklärte Bayr. "Ein großer Erfolg der Plattform besteht darin, dass in der Hebammenschule der Stadt Wien die Wissensvermittlung über FGM bereits Unterrichtsbestandteil ist", zeigte sich Bayr erfreut.

Anfang März soll im Parlament ein Antrag angebracht werden, der die Außenministerin auffordert, sich in der Generalversammlung der UNO dafür einzusetzen, dass der 6. Februar ein UN-Gedenktag gegen FGM wird: "Hoffentlich ein Vier-Parteienantrag", hoffte Bayr. Es gehe vor allem auch darum, ein Klima zu schaffen, das es Betroffenen ermöglicht sich in die Gesellschaft einzubetten. Bayr forderte, FGM dezidiert zum Asylgrund zu machen. Der Bund solle dem Vorbild der Stadt Wien folgen und mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Böhm berichtete vor allem von Erfahrungen, die Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" mit FGM gemacht hat und macht. "Menschen für Menschen kämpft mit Vehemenz gegen die schädliche Traditionen der Frühverheiratung und der Genitalverstümmelung. "In allen von 'Menschen für Menschen' gegründeten Schulen gehört es dazu, über FGM zu sprechen", so Böhm. "Für uns ist es wichtig, dass die nächste Generation von sich aus Nein zu FGM sagen kann, auch die Buben und Männer", betonte Böhm.

Stummer konnte von einem großen Erfolg von CARE berichten. Im Juni 2004 hat CARE ein Symposium mit offiziellen Entscheidungsträgern, religiösen Führungspersönlichkeiten und Regierungsmitgliedern der Region Awash in Äthiopien ins Leben gerufen. Am letzten Tag und nach ausführlichen Diskussionen haben die 250 TeilnehmerInnen FGM offiziell zu einem Verbrechen erklärt. "Unsere Vision ist es, dass FGM weltweit aufhört, für uns ist es ein Erfolg, dass FGM in einer Region abgeschafft wurde, das ist der richtige Weg", so Stummer.

FGM als Asylgrund anerkennen

Auch Barbara Prammer, stellvertretende Nationalratspräsidentin, verwies auf den politischen Handlungsbedarf in Sachen Genitalverstümmelung. Gefährdete Frauen und Mädchen müssten auch fern ihrer Heimat geschützt werden. "FGM muss in der österreichischen Gesetzgebung als Asylgrund fest verankert sein. Frauen dürfen nicht abgeschoben werden, wenn nicht garantiert ist, dass das Drittland für sie sicher ist", erklärte Prammer.

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