Saudiarabien wünscht internationales Terror-Informationszentrum

6. Februar 2005, 17:00
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Iran sichert auf Anti-Terror-Konferenz Kooperationsbereitschaft zu - Für westliche Experten haben Saudis "Glaubwürdigkeitsproblem"

Riad - Der saudiarabische Kronprinz Abdullah hat die Staatengemeinschaft zur Schaffung eines internationalen Zentrums gegen den Terrorismus aufgerufen, das einen schnellen Austausch von einschlägigen Informationen ermöglichen soll. Abdullah sprach am Samstag in Riad auf der Eröffnung der Internationalen Konferenz gegen Terrorismus vor Vertretern von mehr als 50 Ländern. Er fügte hinzu, um Erfolg zu haben, müsse auch gegen Waffen- und Rauschgiftschmuggel sowie Geldwäsche vorgegangen werden.

Abdullah betonte, sein Land kämpfe auf örtlicher, regionaler und internationaler Ebene gegen den Terrorismus. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sicherte Unterstützung für den Vorschlag zu. Experten reagierten allerdings skeptisch. Der Londoner Analyst Kevin Rosser sagte, Saudiarabien habe ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, weil es keine Informationen über seine inneren Probleme liefere.

Innenminister Prinz Nayef bin Abdel Aziz al-Saud gab an, in den letzten zwei Jahren seien bei Kämpfen mit Sicherheitskräften über 90 Terroristen getötet und 17 weitere verletzt worden. Bei 22 Überfällen von Extremisten seien 90 Menschen, darunter 39 Angehörige der Sicherheitskräfte, ums Leben gekommen und 720 Menschen verletzt worden. Über 50 Anschläge seien durch vorbeugende Maßnahmen verhindert worden.

Iran sichert Kooperationsbereitschaft zu

Ali Abul Hasani vom iranischen Außenministerium versicherte, sein Land meine es ernst mit dem Kampf gegen den Terrorismus und sei bereit, seine Erfahrungen einzubringen. Der Iran war erst am Mittwoch von US-Präsident George W. Bush als bedeutendster Förderer des Terrorismus in der Welt bezeichnet worden. Hasani sagte, das Fehlen einer gemeinsamen Definition sei ein Hauptproblem. Man müsse unterscheiden zwischen Menschen, die in einem besetzten Land für Freiheit kämpften, und solchen, die unschuldige Zivilisten töteten.

Familie Bin Laden verurteilt "jede Art von Terror"

Anlässlich der Konferenz versicherte die Unternehmensgruppe der Familie des aus Saudiarabien stammenden Terroristenanführers Osama bin Laden in Zeitungsanzeigen: "Wir verurteilen jede Art von Terror scharf." Das Baufirmenimperium Binladen beteuerte, es unterstütze auch den Kampf der Regierung gegen den Terrorismus. Die Familie hat sich wiederholt von Osama bin Laden losgesagt, der das Terrornetzwerk Al Kaida (al-Qaeda) leitet.

Das Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington hat in einem im Jänner veröffentlichten Bericht die Ansicht vertreten, dass Saudiarabien auf Jahre hinaus mit der Terrorismus-Bedrohung leben müsse. Allein im vergangenen Jahr habe die Grenzpolizei fast eine Million Menschen festgenommen, die illegal in das Land wollten. 19.000 Schmuggelversuche seien unterbunden, 8.000 Schmuggler verhaftet, über zehn Tonnen Rauschgift und 2.000 Waffen beschlagnahmt worden. Allein im Juli 2004 seien an und nahe der Grenze zum Jemen etwa 30.000 Menschen festgenommen worden. (APA/AP)

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    Kronprinz Abdullah bei seiner Ankunft in Riad

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    Die Fahnen der teilnehmenden Staaten schmücken den Konferenzsaal in Riad.

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