Beziehungsabhängigkeit ist auch eine Krankheit

4. Februar 2005, 12:36
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Frauen von Alkoholikern müssen sich selbst helfen, beschreibt der Therapeut Karl Lask in seinem neuen Buch "Der andere Kuss"

Frankfurt/Main - Es ist inzwischen allseits anerkannt: Die eigentlich Betroffenen von der Alkoholabhängigkeit eines Mannes sind die Ehefrauen und Kinder. Aber während für alkoholkranke Männer vielfältige, auch von den Krankenkassen getragene Therapiemöglichkeiten angeboten werden, sind die Familien mit ihren Problemen oft allein.

Hilfestellung versucht ein neues Buch des Therapeuten Karl Lask, eines Experten auf dem Gebiet der Suchtherapie und langjährigen Leiters einer therapeutischen Gemeinschaft für alkoholabhängige Männer in Deutschland, zu leisten. "Der andere Kuss" gibt Tipps auf dem Weg zur Organisation und inhaltlichen Arbeit von Selbsthilfegruppen betroffener Frauen.

Zusammenhang zwischen Beziehung und Gesundheit

Es zeigt einen anderen Weg aus einem sich perpetuierenden Kreislauf, in dem Abhängige und ihre Frauen oft gefangen sind. Dabei erhebt es keinen Anspruch auf eine fachlich abgesicherte Darlegung von Beziehungsproblematik. Es hilft vielmehr Laien, vor allem auch den Betroffenen, die Zusammenhänge von Beziehungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit zu verstehen.

Identität durch Fürsorge

Lask lässt die betroffenen Frauen aus einer von ihm betreuten Selbsthilfegruppe ausführlich zu Wort kommen. Er rückt von der bisher in der Suchttherapie gebräuchlichen Vorstellung einer Co-Abhängigkeit ab. Vielmehr nennt er eine Beziehungsabhängigkeit als eine der Ursachen für die Verstrickungen von Frauen in die Lebensgeschichten alkoholabhängiger Männer. Prägungen in der Jugend, das Gefühl, die eigene Identität und den eigenen Wert nur über die meist aufopfernde Fürsorge für jemanden zu finden, der als hilfebedürftig erkannt wird, und die Unfähigkeit, sich dieses Verhalten bewusst zu machen und sich dann daraus zu lösen, stehen im Mittelpunkt.

Lask weist einen anderen möglichen Weg aus diesem Dilemma. Dabei wird durchaus auch deutlich, dass die Identifikation der Frauen alleine darüber, gebraucht zu werden, auch den Männern den Schritt in die Gesundung manchmal verstellt. Erst wenn die Frauen ihre Probleme gelöst haben, beginnen die Männer, an ihrem Alkoholproblem zu arbeiten und es dann möglicherweise auch zu lösen.

Veränderung als Schlüssel

Neben den ausführlichen, selbst erzählten Fallbeispielen greift Lask auf seine reichhaltige Erfahrung als Therapeut zurück, erklärt die Begriffe in leicht narrativer, von wissenschaftlichem Ballast weitgehend freier Wortwahl und auch anhand von Grafiken und Zeichnungen. Er macht aus seiner christlichen Basis kein Hehl, ohne in eine bei manchen Selbsthilfeorganisationen hier und da zu bemerkende Frömmelei oder gar den Versuch zu verfallen, eine Hinwendung zum Glauben als Allheilmittel gegen den "Teufel Alkohol" zu propagieren. Als roter Faden zieht sich neben der Freiwilligkeit aller Bemühungen vielmehr die Überzeugung durch das Buch: Nur wenn sich Personen verändern, verändern sich auch Situationen.

Da es auf dem Gebiet der Frauen-Selbsthilfegruppen kaum Vorbilder gibt, werden in dem Buch organisatorische Fragen erörtert und Wege aufgezeigt, wie interessierte Frauen sich suchen und finden und dann zusammenschließen können. Es bietet deshalb auch einen ganz praktischen Nutzen. Bedauerlich ist nur, dass es das mit knapp 150 Seiten auch sehr übersichtliche Werk nicht im Verlagsbuchhandel zu kaufen gibt. Es fand sich kein Verleger, so Lask, der das geschäftliche Risiko tragen wollte. (APA)

Das Buch "Der andere Kuss" ist nur im Direktversand bei der Blaukreuz-
Versandbuchhandlung, Postfach 20 02 52,
42202 Wuppertal zu beziehen oder über den Förderkreis "Frauen helfen Frauen". Es kostet 12,80 Euro.

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Blaukreuz

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