Türkei leitet Kehrtwende in Irak-Politik ein

4. Februar 2005, 18:47
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Zeitungsbericht: Ankara will irakische Kurden angeblich unterstützen - Kurden in führenden Positionen minimieren Wunsch nach Kurdenstaat

Istanbul - Die Türkei erwägt nach einem Zeitungsbericht eine Kehrtwende in ihrer Irak-Politik. Das Außenministerium in Ankara sei zu dem Schluss gekommen, dass die Übernahme hoher irakischer Staatsämter durch kurdische Politiker im Interesse der Türkei wäre, berichtete die Zeitung "Milliyet" am Freitag. Bisher hatte die Regierung in Ankara das politische Erstarken der irakischen Kurden durch die Parlamentswahl am vergangenen Sonntag mit großem Misstrauen betrachtet und kritisiert; die Türkei befürchtet, dass die irakischen Kurden einen eigenen Staat gründen wollen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass bald ein Kurdenstaat gegründet werden könne, sinke, wenn kurdische Politiker in führenden Positionen der neuen irakischen Zentralregierung in Bagdad vertreten seien, argumentieren Experten des Außenamtes laut "Milliyet". Ein kurdischer Politiker, der in Bagdad irakischer Staatspräsident, Ministerpräsident oder Parlamentspräsident werde, könne sich als Vertreter aller Iraker nicht sehr stark für die kurdische Unabhängigkeit einsetzen, lautet die Überlegung.

Ankara befürchtet, dass ein Kurdenstaat im heutigen Nordirak die Autonomiebestrebungen der kurdischen Minderheit in der Türkei verstärken könnte. Dabei könne die Türkei "nicht Zuschauer bleiben", hatte die Regierung in den letzten Tagen erklärt; selbst eine Militärintervention wurde nicht ausgeschlossen. Das Thema Irak steht auch beim Antrittsbesuch der neuen amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice in Ankara an diesem Wochenende ganz oben auf der Tagesordnung. (APA/AFP)

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