Seuchen: Schnelle Alarmierung über E-Mail

6. Februar 2005, 21:12
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ProMED, ein auf Internet basierendes Netzwerk, hat mehr als 30.000 Abonnenten und Informationsaufbringer

New York/Wien - Ob Vogelgrippe, Ebola oder Anthrax (Milzbrand) - bei jedem Ausbruch einer infektiösen Krankheit kommt es auf die möglichst schnelle Alarmierung an. Das erst kann Hilfe bringen und Maßnahmen zur Eindämmung einer Seuche gewährleisten. Ein auf Internet basierendes Netzwerk - ProMED - hat hier seit etwas mehr als zehn Jahren weltweit Pionierarbeit geleistet. Mehr als 30.000 Abonnenten und Informationsaufbringer sind auf freiwilliger Basis bereits dabei. Der größte Erfolg: Die ersten Informationen über die SARS-Erkrankungen in China am 10. Februar 2003.

ProMED ist das "Programm zum Monitoring neu auftretender Erkrankungen" (Emerging Diseases). Begonnen hat es 1994 in Genf im Umfeld der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Einige Experten für Infektionskrankheiten beklagten unter einander, dass es kein funktionierendes System gebe, um neu auftretende Krankheiten bzw. Ausbrüche weltweit zu registrieren.

Veränderte Situation

Stephen Morris, heute tätig an der Columbia University (New York) an der Abteilung für Öffentliche Gesundheit, sowie zwei andere Fachleute handelten: Sie gründeten das Netzwerk auf Basis von E-Mail-Beiträgen freiwilliger Mitstreiter. Damals waren das nur wenige Informanten. Doch die Situation hat sich geänder. Morris erklärte vor kurzem gegenüber dem britischen Wissenschaftsmagazin "Nature": "Heute gibt es Internet Cafes sogar in Afghanistan."

Die Informationen stammen zumeist von Ärzten, wenn nicht sogar von Mikrobiologen und anderen Spezialisten. Daten kamen schon von Personen aus rund 150 Staaten der Erde. So gab es am 2. Februar 2005 zum Beispiel die Bestätigung des ersten Falles von H5N1-Vogelgrippe aus Kambodscha. Ebenfalls am Mittwoch berichtete Alexandr Peredkov aus Russland über vermehrte Fälle von Tollwut in Chelyabinsk. Als Quelle angeführt sind lokale Medien. Unter den Berichten finden Links zu ähnlichen Reports und Hintergrundmaterial.

Ein aktuelles Beispiel als Konsequenz der Tsunami-Katastrophe in Südostasien: Manche Betroffene erkranken erst jetzt - Wochen nach dem "Einatmen" (Aspiration) von Wasser in den Flutregionen - an sonst ganz seltenen und kaum bekannten Infektionen. So berichtete Dr. David Dance, ein britischer Mikrobiologie, von Erkrankungen durch Bakterien vom Typ Burkholderia pseudomallei.

SARS in China

Wie wichtig aber das weltumspannende Netzwerk aber mittlerweile schon ist, zeigte sich Anfang Februar 2003. "Ein Bekannter von mir (...) berichtet, dass die Spitäler geschlossen werden und Menschen sterben", hieß es am 10. Februar vergangenen Jahres in einem Bericht des pensionierten US-Epidemiologen Stephen Cunnion über die Situation in der chinesischen Provinz Guangzhou. Das war der erste Report über SARS in China. Erst dadurch konnte die Weltgesundheitsorganisation die Regierung in Peking zu dem Bekenntnis veranlassen, dass es da eine neue Seuche gebe.

Im Mai 1995 hatte ProMED bereits mit den ersten Informationen über den Ebola-Ausbruch in Kikwit in der Demokratischen Republik Kongo für Aufsehen gesorgt - und im Mai 1996 lag der Service zwei Wochen vor der WHO mit seinen Berichten über einen große Cholera-Epidemie auf den Philippinen. (APA)

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    foto: photodisc
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