Ärzteausbildung: Wiener Grüne und ÖVP schalten Kontrollamt ein

7. Februar 2005, 21:39
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41 Abteilungen haben ohne Berechtigung ausgebildet - Pilz: "Etliche hundert Ärzte betroffen"

Wien - In der Diskussion um die seit Jahren fehlende Ausbildungsberechtigung in zahlreichen Wiener Spitälern schalten ÖVP und Grüne nun das Kontrollamt ein. Es soll überprüfen, wie es möglich war, dass die Einrichtungen dennoch Turnusärzte aufgenommen hätten, forderte am Freitag die Gesundheitssprecherinnen Ingrid Korosec (V) und Sigrid Pilz (G). Ansonsten brauche man in Österreich sogar für die Anbringung eines Fenstergitters eine Erlaubnis, meinte Korosec - für die Ausbildung von Allgemeinmedizinern offensichtlich nicht. "Es ist kein Formfehler", machte Pilz klar - auch wenn Gesundheitsstadträtin Renate Brauner (S) und der designierte KAV-Chef Wilhelm Marhold die Causa so bezeichneten. Es gehe um die Qualität der Ausbildung. Außerdem könnte den betroffenen Ärzten - Pilz sprach von "etlichen hundert" - im schlimmsten Fall Schadenersatz- und Kurpfuscherei-Anklagen drohen. Man verlange deshalb eine rasche Kontrollamtsprüfung, unterstrich Korosec: "Wir wollen's genau wissen." Jedenfalls gehe es nicht an, dass man sage: "Wir schauen nicht zurück und nur nach vorne", pflichtete Pilz bei. Man müsse im Gegenteil aus Fehlern lernen und diese genau überprüfen. Seit zehn Jahren hätten 41 Abteilungen der Wiener Spitäler ohne Berechtigung Turnusärzte aufgenommen. Das seien rund 50 Prozent der ausbildenden Wiener Abteilungen überhaupt, rechnete Korosec vor. Betroffen seien "die großen alten Häuser", also Wilhelminen-, Kaiser-Franz-Joseph-Spital und ähnliche, meinte Pilz. Immerhin mache es den Eindruck, dass nun Marhold die Brisanz der Lage erkannt habe, so Korosec vorsichtig optimistisch.(APA)
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