Depressionen: Johanniskraut mit schwächerer Wirkung

4. Februar 2005, 11:31
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Zu diesem Schluss kommt eine Münchner Metaanalyse

München - Johanniskraut wirkt gegen Depressionen schwächer als angenommen. Eine Metaanalyse von insgesamt 37 Studien kommt zu dem Schluss, dass das Pflanzenmittel zwar besser ist als ein Scheinpräparat, aber weniger stark als bisher vermutet. Frühere Metaanalysen hatten Johanniskraut im Vergleich zu einem Placebo eine 2,5 Mal bessere Wirkung bescheinigt. Die Studie der Technischen Universität München kommt dagegen zu dem Schluss, dass das Mittel je nach Patientengruppe nur etwa 1,1 bis zwei Mal so gut wirkt.

Die Münchner Datenanalyse berücksichtigte ausschließlich so genannte randomisierte Doppelblind-Studien, die als besonders zuverlässig gelten: Dabei entscheidet der Zufall darüber, ob Patienten Johanniskraut, Antidepressiva oder wirkungslose Scheinmedikamente erhalten. Zudem wissen weder Ärzte noch Teilnehmer, welcher Patient welches Mittel einnimmt. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Johanniskraut vor allem bei leichten und mittelschweren Depressionen hilft.

"Frühere Studien haben die positive Wirkung des Johanniskrauts vermutlich überschätzt", sagt Untersuchungsleiter Klaus Linde. "Aber auch wenn die Evidenz für den Effekt des Pflanzenextrakts schwächer geworden ist, so ist sie immer noch positiv." Linde warnt allerdings davor, die Nebenwirkungen von Johanniskraut zu unterschätzen. Das Mittel könne die Wirkung anderer Medikamente wie etwa der Anti-Baby-Pille beeinflussen. Therapie solle daher nicht selbstständig durchgeführt werden, sondern gehöre in die Hände eines erfahrenen Arztes. (APA/AP)

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