Schiitenführer Al-Hakim gegen säkularen Staat

5. Februar 2005, 21:43
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Schiitenpolitiker: "Islam ist offizielle Religion des Landes und somit Grundlage aller Gesetzgebung"

München - Der führende Schiitenpolitiker Abdul Aziz al-Hakim hat sich gegen die Bildung eines säkularen Staates im Irak ausgesprochen. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte der Vorsitzende des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), er strebe eine Zwischenform zwischen einem islamischen Gottesstaat und einem völlig säkularen Staat an. "Wir werden eine Regierung haben, die die islamische Identität des irakischen Volkes widerspiegelt. Bei der Bildung des Staates müssen Charakter, Kultur und Geschichte des irakischen Volkes berücksichtigt werden", sagte al-Hakim. Der Islam sei "offizielle Religion des Landes und somit Grundlage aller Gesetzgebung".

Al-Hakim warf der Übergangsregierung und den Besatzungstruppen "große Fehler" vor. Sie hätten die aktuellen Sicherheitsprobleme mitverschuldet. Die Iraker wollten, dass die Besatzer das Land verließen, sobald genügend Armee-, Polizei- und Sicherheitskräfte ausgebildet seien. "Kein stolzer Bürger will ausländische Soldaten in seinem Land sehen." Der Geistliche stand bei der Wahl im Irak an der Spitze der wichtigsten schiitischen Liste. Al-Hakim übernahm die SCIRI-Führung von seinem Bruder, Ayatollah Mohammed Bakir al-Hakim, der im August 2003 bei einem Bombenanschlag getötet wurde.

Rumsfeld: "Aufstand" im Irak unterschätzt

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat unterdessen eingeräumt, dass die US-Regierung den "Aufstand" im Irak unterschätzt hat. Das Ausmaß sei stärker als erwartet, sagte Rumsfeld am Donnerstag dem US-Nachrichtensender CNN. Als einen Grund für die anhaltende Gewalt im so genannten sunnitischen Dreieck führte Rumsfeld an, dass die US-Truppen während des Krieges nicht aus der nördlich gelegenen Türkei in den Irak vorstoßen konnten. Dadurch sei eine unzureichende Zahl von Sunniten getötet oder gefangen genommen worden. Die in dem Gebiet lebenden Sunniten hätten auch nie die Militärkraft der USA zu spüren bekommen.

Die weitere Situation im Irak hängt nach den Worten von Rumsfeld unter anderem davon ab, ob die Nachbarländer "Syrien und Iran den Aufstand schlimmer machen" und in welchem Maß die Sunniten in die Politik eingebunden werden konnten.

In dem Interview räumte Rumsfeld auch erstmals ein, dass er während des Misshandlungs- und Folterskandals von Abu Ghraib im April vergangenen Jahres zwei Mal seinen Rücktritt eingereicht habe. Präsident George W. Bush habe ihn aber gebeten, im Amt zu bleiben. (APA/dpa)

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    Abdul Aziz al-Hakim will Scharia im Irak einführen

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