Orange Pracht und ein erfüllter Traum

11. Februar 2005, 16:55
posten

Wuchernde Rosen, wenig Prominente, aber einige Besonderheiten

Mediterranes, üppiges Flair bestimmt den Opernball 2005. Wuchernde Rosen, wenig Prominente, aber einige Besonderheiten - wie eine Debütantin mit Downsyndrom

***

Wien - In einer üppigen Pracht von Orange ging der Traum von Sabine Kropatsch in Erfüllung. Mediterrane Wärme in der Wiener Staatsoper - von überbordenden Rosenstauden in mit Kumquats gefüllten Trögen bis hin zu den Schleiern und Ansteckblumen des Eröffnungsballetts. Und mitten drinnen die 19-jährige Debütantin, orange Rosen in Händen, die im mehr oder weniger prominent gesprösselten Eröffnungskomitee ein doppeltes Debüt beging: Sabine Kropatsch ist die erste junge Frau mit Downsyndrom, die einen Opernball eröffnet.

Eine lange und besondere Zeit der Vorbereitung hat Sabine Kropatsch hinter sich - von Privatstunden in der Tanzschule Elmayer bis zum Tanzleistungsabzeichen in Bronze im vergangenen Juni.

Dann das Vortanzen, die langen Proben für die Eröffnung, schließlich die sich dehnende Generalprobe am Mittwochabend samt ihren Pannen. Wiederholte Seufzer von Klaus Mühlsiegl: "Die Berta (also die zweite Kolonne im Komitee; Anm.) macht uns die ganze Polonaise kaputt." Dann sogar ein Thomas Schäfer-Elmayer, kurz die Contenance verlierend: "Was sie haben keine CD vom Donauwalzer?" Sie wurde von der Tontechnik dann doch noch gefunden, die Mutter aller Walzer.

Und nun diese Eröffnung - der Einzug Sabine Kropatschs im Jungdamen- und Herrenkomitee, dann Marcelo Alvaez und Elina Garanca, dramatisch üppige Romanzen aus Zarzuelas, den spanischen Operetten, darbringend.

Punktgenau platzen

Dann der Tanz, vom scheidenden Volksoper-Ballettchef, Giorgio Madia, humoristisch choreografiert - eine Durchmischung von Solisten, Corps de Ballet, Eleven und vielen, dann punktgenau platzenden Luftballons.

Und schließlich noch einmal Alvarez und Garanca mit "El Duo de la Africana von Manuel Fernandez Caballero, wo dem schmachtenden gebürtigen Argentinier über weite Strecken die lettische kalte Schulter gezeigt wurde: "Komm!" - "Niemals!" Am 19. Februar werden die beiden dann in der Staatsoper neuerlich auftreten - in Jules Massenets "Werther" unter Philippe Jordan.

Ex-Spice, verspätet

Da tritt natürlich einiges in den Hintergrund, was sich in den Wochen vor dem Ball im medialen Vakuum zum Ereignis aufgeplustert hatte. Die Mühsal von Herrn Lugner mit seinem Stargast, dem Ex-Spice Girl Geri Halliwell, die kein "Date" mit Lugner wollte, die sich wochenlang nicht bei den Lugners meldete - na so was - und dann am Donnerstag auch noch so spät in der Lugner City erschien, dass die Pressekonferenz abgeblasen wurde.

Immerhin hat Halliwell noch eine deutlich höhere Bekanntheit, als die Opernballbesucherin Kerry McFadden. Auch wenn Letztere ebenfalls Sängerin bei einer Girlieband war - nämlich Atomic Kitten.

Oder dieser Prinz Ferfried von Hohenzollern und seine Verlobte Tatjana Gsell: nachmittägliches Räkeln im Hotelbett war angesagt, wie einst John Lennon und Yoko Ono. Damit 's schön kommt. In den Medien.

Sabine Kropatschs Welt ist eher eine andere - hatte sie doch 2003 bei den Special Olympics in Voltigieren den 4. Platz belegt. Tatsächlich sollte es heuer auch eher ein Ball der Sportler und der Olympia-Gewinner werden: Schwimm-Ass Markus Rogan hatte sich ebenso angesagt, wie die Triathletin Kate Allen und der Spitzensegler Roman Hagara.

Politische Debütanten

Ein weiterer Debütant: Bundespräsident Heinz Fischer, zum ersten Mal am Opernball - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel konnte wieder einmal neue Regierungsmitglieder der FPÖ beim Staatsball einführen.

Also auch wenn das Promigetümmel ausbleibt: Es gibt immer Premieren am Opernball. Wie das chinesische Pärchen im Komitee. Oder die Offiziersanwärterinnen in Uniform. Oder eben das Debüt von Sabine Kropatsch. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Prinmtausgabe 4.2.2005)

Share if you care.