Asfinag hat viele Baustellen offen

8. Februar 2005, 16:46
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Aufsichtsrat unter Entscheidungsdruck

Wien - Wenigstens eine Causa ist erledigt, wenn der Asfinag-Aufsichtsrat heute, Freitag, zusammentritt: Der Abgang von Vorstandschef Walter Hecke. Er ist seit Dienstag ganz Privatier - und hat auch keinen Konsulentenvertrag beim staatlichen Autobahnbetreiber.

Dem Vernehmen nach wurde sogar die sonst übliche Konkurrenzklausel wegverhandelt, Hecke habe dafür auf einen Teil seiner Abfindung verzichtet.

Alle anderen Asfinag-Baustellen sind noch offen. Allen voran der Streit mit der italienischen Autostrade über deren Mautgesellschaft Europpass, der inzwischen Heerscharen von Anwälten beschäftigt. Hauptstreitpunkt ist - Überraschung! - der Preis für Europpass.

"Afinag kauft sich Pönale zurück"

Während die Asfinag meint, sie müsse dafür "nur" 200 Millionen Euro locker machen, ist man bei Autostrade der Ansicht, dass ein Komplettkauf überhaupt nicht möglich sei und schon gar nicht zu diesem Preis. "Im Prinzip kauft sich die Asfinag die Pönale zurück, denn die Italiener wären damit aus der bis 2012 laufenden Haftung für den Lkw-Mautbetrieb entlassen", ätzt ein Insider über die völlig verkorkste Situation.

Bleibt es bei den 200 Millionen, würde sich der Mautbetrieb über die zehn Jahre Laufzeit von 750 Millionen auf 950 Millionen Euro verteuern, denn laut Betreibervertrag zahlt die Asfinag für den Mautbetrieb jährlich 75 Millionen Euro an Autostrade.

Wie der Zank über die von Asfinag-Präsident Johann Quendler forcierte Totalübernahme der Europpass - ursprünglich wollte man nur mit 26 Prozent einsteigen - ausgehen wird, bleibt spannend. Insbesondere, wer der neue Partner der Asfinag sein wird. In den Startlöchern stehen dem Vernehmen nach Strabag, Raiffeisen und Siemens.

Ost-Strategie

Damit eng verbunden: die Ost-Strategie des staatlichen Autobahnbauers. Auch dafür sollen die Asfinag-Aufsichtsräte einen Routenplan erstellen. Der Zeitdruck ist enorm, in Tschechien steht die Ausschreibung eines fahrleistungsabhängigen Lkw-Mautsystems an.

Zu wissen, mit welchen Partnern man dort vorfahren will, wäre vermutlich hilfreich, wenngleich dafür von der Asfinag kein Maut-geld kommen wird. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.02.2005)

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