Nepals König führt die Medienzensur ein

16. Februar 2005, 13:43
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Kritische Berichte über Notstand verboten - In Newsrooms der TV-Stationen wurden Soldaten postiert

Die nepalesischen Medien unterliegen seit Mitte der Woche umfassender Zensur. Kritische Berichte über den am vergangenen Dienstag verhängten Ausnahmezustand in dem Himalaya-Land dürfen in den kommenden sechs Monaten nicht erscheinen oder ausgestrahlt werden, verlautbarten Zeitungen und das staatliche Radio in Kathmandu. Diese Maßnahme sei ein Teil jener Notstandsmaßnahmen, die König Gyanendra erlassen hat, nachdem er die Regierung abgesetzt und die ganze Macht im Staat übernommen hat.

In den Newsrooms der TV-Stationen wurden Soldaten postiert, die alle Berichte prüfen, bevor diese ausgestrahlt werden. Auch die Telekommunikationsleitungen und Internetverbindungen sind seit Dienstag unterbrochen.

Die von Gyanendra eingesetzte Übergangsregierung rief am Donnerstag die maoistischen Rebellen im Land auf, an Friedensgesprächen teilzunehmen. Die Maoisten lehnten bereits zuvor jede Verhandlung ab und riefen einen Generalstreik aus. Der König hatte das Vorgängerkabinett unter dem unter Hausarrest stehenden Sher Bahadur Deuba wegen Erfolglosigkeit in den Verhandlungen mit den Rebellen entlassen. Diese kämpfen seit zehn Jahren für einen kommunistischen Staat, 11.000 Menschen kamen dabei bisher um. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2005)

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