Kärnten is a Wahnsinn

7. Februar 2005, 18:00
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In Kärnten mixt Jörg Haider wieder einmal explosiven Cocktail - Nach dem Seebühnen-Debakel steht nun das Stadion auf der Kippe

Als die Frohbotschaft der Euro 2008 für Österreich und die Schweiz verkündete wurde, war in Österreichs schwarz-blauer Wenderegierung noch alles in Ordnung. Wolfgang Schüssel zeigte sich gemeinsam mit Jörg Haider in dessen blauem Porsche, Susanne Riess-Passer war Vizekanzlerin und Sportministerin.

Was lag also näher, um auch Kärnten und im speziellen die Landeshauptstadt Klagenfurt an diesem sportlichen Großereignis teilhaben zu lassen- wenn auch nur mit drei Vorrundenspielen. Zumal Kärntens Landeshauptmann damals auch als Präsident des FC-Kärnten von einer neuen attraktiven Spielstätte für seine in die Bundesliga aufsteigenden "Kicker", samt Ballsportakademie für die Nachwuchsförderung träumte.

Aber dann pulverisierte Schüssel die FPÖ und Jörg Haider sinnt bis heute auf ein Revanche-Foul.

Wer tatsächlich hinter der neuerlichen Sabotage des Vergabeverfahren steht, wird allerdings kaum nachzuweisen sein. Ebenso wenig, ob eine politische Einflussnahme zugunsten bestimmter Bieter erfolgt oder auch Parteienfinanzierung mit im Spiel ist.

Eines ist sicher: der anfänglichen Euphorie über die Fußball-EM folgte in Kärnten und Klagenfurt bald die Ernüchterung. An einem Strang zogen die handelnden Protagonisten von Stadt und Land ohnehin kaum.

Im Gegenteil: Haider und Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher (VP) wachten eifersüchtig drauf, dass sich damit nicht der jeweils andere ein politisches Denkmal setze. So präsentierten die Freiheitlichen zunächst eigene Stadionprojekte, die von Investoren, darunter der Strabag Hans Peter Haselsteiners finanziert werden sollten und wurden von der ÖVP ausgebremst. Weite Teile der Bevölkerung lehnten den Stadion-Neubau ab.

Zumal die horrenden Kosten für die Errichtung des Stadion-Neubaus samt Rückbaus der Zuschauertribüne die maroden Finanzhaushalte von Land und Stadt schwer belasten. Zwar ist eine die Kostendrittelung von Bund, Land und Stadt vorgesehen, doch es stellte sich rasch heraus, dass die ursprünglich mit rund 40 Mio. Euro angesetzte Großinvestition mindestens 60 Mio. kosten würde. Bei einem Gesamtschuldenstand des Landes im Jahre 2004 von 568 Mio. plus außerbudgetärer Verschuldung von 376 Mio. ein gewagtes Unterfangen.

Zumal in den nächsten Jahren weitere Großprojekte wie etwa der Neubau des Landeskrankenhauses Klagenfurt (365 Mio.), ein neues Verwaltungszentrum (48 Mio.), die Teilfinanzierung des Koralmtunnels (184 Mio.), etc. anstehen. Zur schnellen Geldbeschaffung muss daher auch die mehrheitlich dem Land gehörende Hypo Alpe-Adria-Bank mittels Wandelschuldanleihe schnellstens ausgeräumt werden.

Dass man sich die Fußball-EM eigentlich gar nicht leisten kann, würde in Kärnten wohl kein Politiker zugeben. Zu schlimm wäre der Gesichtsverlust. Vom Imageschaden nicht zu reden. Viel einfacher wäre es da wohl das Klagenfurter Stadion über das Vergabeverfahren platzen zu lassen. Wer auch immer dafür verantwortlich sein mag. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 4. Februar 2005, Thema)

Elisabeth Steiner
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    Das Land Kärnten ist in Summe bereits mit über einer Milliarde Euro verschuldet. Dazu kommen massive Verluste bei der Wörthersee-Bühne und ein Millionenbedarf für das Stadion und das Landeskrankenhaus.

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