Minimundus aus der Asche?

7. Februar 2005, 18:00
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Ob das Verfahren abgeschlossen werden kann, bleibt noch unklar, doch Einsprüche wären auch nachher möglich

"Was wir bereits vor knapp zwei Jahren vorausgesagt haben, ist eingetroffen", meint Peter Kompolschek von der Architektenkammer Steiermark, Kärnten: "Es geht in diesem Verfahren um derartig viel Geld, dass im Vorfeld kein Ruhighalten möglich ist."

Das Totalunternehmerverfahren Stadion Klagenfurt war von Beginn an höchst umstritten - erstmals sollen Planung und Ausführung gemeinsam vergeben werden - ein bis dato hier zu Lande unüblicher Vorgang.

Der nun als Gutachter installierte Rechtsprofessor Josef Aicher meinte erst vergangene Woche zum STANDARD, diese Kombination bringe "enorme Probleme bei den Zuschlagskriterien", öffentliche Auftraggeber müssten mit dieser Verfahrensform höllisch aufpassen. Das Bundesvergabeamt hatte Einsprüche von Architekten im vergangenen Jahr inhaltlich zwar für berechtigt erachtet, den "Klägern" jedoch die Klagslegitimation abgesprochen.

Ein in das Verfahren involvierter Jurist wertete gestern die (später allerdings via profil widerrufenen) Aussagen von Architekt Hermann Eisenköck, die Strabag hätte die Kärntner FPÖ finanziell unterstützt und somit gewissermaßen Weichen gestellt, als durchaus realistisch.

Jemand hätte jetzt "einen Torpedo auf das Verfahren abgefeuert", um es zu kippen und gegebenenfalls eines der Lieblingsprojekte Jörg Haiders aus der Schublade hervorzuholen: das Minimundus-Stadion-Projekt von Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner, das mit einem Einkaufszentrum als Cashcow gekoppelt, frei finanziert und deshalb ohne Vergabeverfahren verhältnismäßig rasch umsetzbar wäre. Eisenköck, der sich mittlerweile aus der elfköpfigen Vergabekommission zurückgezogen hat und sich strikt jeder Äußerung enthält, hat seinerseits, wie von anderer Seite bestätigt, eine Klagsandrohung in der Höhe von 20 Mio. Euro von Haselsteiner am Hals.

Verfahren scheitert

Ob das Verfahren auch nach der medialen Veröffentlichung der Bieter abgeschlossen werden kann, entscheidet sich Montag, wenn das Gutachten vorliegt.

Doch auch im Fall eines positiven Bescheids erwarten Fachleute aus dem Bundesvergabeamt sowie der Architektenkammer Beeinspruchungen innerhalb der Zwei-Wochen-Frist. Kompolschek ist sicher: "Das Verfahren wird scheitern, es wird zu Beeinspruchungen kommen."

"Das erste Totalunternehmerverfahren Österreichs ist jedenfalls als Flop auf ganzer Linie zu erachten, ein internationaler Architektenwettbewerb wäre mit 200.000 Euro Verfahrenskosten billiger, sauberer und dienlicher gewesen", sagt Kompolschek. (DER STANDARD, Printausgabe, 4. Februar 2005, Thema, uwo)

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