Nepals König führt die Medienzensur ein

7. Februar 2005, 16:15
15 Postings

Kritische Berichte über Notstand verboten - Militär besetzt Redaktionen, Telefon und Internet unterbrochen

Kathmandu - Die nepalesischen Medien unterliegen seit Mitte der Woche umfassender Zensur. Kritische Berichte über den am vergangenen Dienstag verhängten Ausnahmezustand in dem Himalaya-Land dürfen in den kommenden sechs Monaten nicht erscheinen oder ausgestrahlt werden, verlautbarten Zeitungen und das staatliche Radio in Kathmandu. Diese Maßnahme sei ein Teil jener Notstandsmaßnahmen, die König Gyanendra erlassen hat, nachdem er die Regierung abgesetzt und die ganze Macht im Staat übernommen hat.

In den Newsrooms der TV-Stationen wurden Soldaten postiert, die alle Berichte prüfen, bevor diese ausgestrahlt werden. Auch die Telekommunikationsleitungen und Internetverbindungen sind seit Dienstag unterbrochen.

Die von Gyanendra eingesetzte Übergangsregierung rief am Donnerstag die maoistischen Rebellen im Land auf, an Friedensgesprächen teilzunehmen. Die Maoisten lehnten bereits zuvor jede Verhandlung ab und riefen einen Generalstreik aus. Der König hatte das Vorgängerkabinett unter dem unter Hausarrest stehenden Sher Bahadur Deuba wegen Erfolglosigkeit in den Verhandlungen mit den Rebellen entlassen. Diese kämpfen seit zehn Jahren für einen kommunistischen Staat, 11.000 Menschen kamen dabei bisher um.

Kämen die Maoisten nicht zu den Verhandlungen, sagte Erziehungsminister Radha Krishna Mainali, die Nummer zwei der neuen Regierung, dann "müssen wir eben eine andere Wahl treffen".

"Königlicher Putsch"

Bereitschaftspolizei unterhielt weiter an strategisch wichtigen Positionen in Kathmandu Posten, besonders die Universitätsviertel wurden überwacht. Der unter Hausarrest stehende Oppositionsführer Girija Prasad Koirala (Kongresspartei) forderte die Parteien zur Einigkeit auf: "Wir müssen gemeinsam gegen den königlichen Putsch vorgehen, um die Souveränität des Volkes wiederherzustellen. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Mittwoch durften Nepals Zeitungen noch über die Machtübernahme berichten.

Share if you care.