DM will Arzneien verkaufen - Ministerium ist strikt dagegen

11. Februar 2005, 16:21
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Drogeriemarktkette macht bei Freigabe von rezeptfreien Arznei- mitteln weiter Druck - Gesundheitsministerium bleibt beim Nein

Wien – "Wir wollen das nicht", auf diese Aussage lässt sich die Haltung des Gesundheitsministeriums bringen, angesprochen auf die neuerlich formulierten Wünsche der heimischen Drogeriemarktkette DM, auch rezeptfreie Medikamente verkaufen zu dürfen. Die Handelsfirma wolle dazu in den nächsten Wochen und Monaten gezielt lobbyieren, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Günter Bauer bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

Ministerium mit "tauben Ohren"

Clemens Auer, Kabinettchef von Ministerin Maria Rauch-Kallat, sagt dazu im Standard- Gespräch: "Wir können schon reden. Aber wir sind sicher sehr taub auf diesem Ohr. Aus Gründen der Qualitätssicherung soll die derzeitige Regelung beibehalten werden."

Die Regelung sieht im Wesentlichen so aus: Es gibt rund 2300 Medikamente, die "OTC" (over the counter) verkauft werden dürfen – sprich: ohne Rezept über die Theke. Rund 400 davon dürfen Drogerien (mit einer entsprechenden Berechtigung und geschultem Fachpersonal) auch verkaufen – Hustensaft, Baldriantropfen, Magentabletten, diverse Tees, Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate. DM hätte aber gerne die prinzipielle Möglichkeit, alle verkaufen zu können – denn dazu gehören Bestseller wie Aspirin oder Supradyn.

DM lockt mit Niedrigpreisen

DM lockt dabei mit Versprechungen von niedrigeren Preisen: "Mit unserem Vertriebssystem wären 20 bis 30 Prozent niedrigere Preise möglich", so Bauer. Außerdem würde er – analog zum US-Markt – Handelsmarken, also Generika von patentfreien Medikamenten, forcieren.

"Volkswirtschaftlich gesehen wäre das alles vermutlich kein Vorteil", hält den Aussagen Kabinettschef Auer entgegen, denn in der Extremanwendung könnten auch rezeptfreie Medikamente schwere gesundheitliche Schäden anrichten. Und bei offensichtlich gefährdeten Personen habe der Apotheker "mit seinem geschulten Auge" nach wie vor eine Torwächterfunktion.

DM-Umfrage: 40 Prozent für Arzneimittel-Verkauf

DM hat eine Umfrage beim Linzer Marktforschungsinstitut Spectra in Auftrag gegeben. Bei dieser kam unter anderem heraus, dass 40 Prozent der Befragten der Meinung sind, ein Drogist könne beim Verkauf von rezeptfreien Arzneien zumindest genau so gut beraten wie ein Apotheker. Die Apothekerkammer hält diesem eine eigene Umfrage entgegen: 93 Prozent hielten es für "wichtig", Medikamente aus der Apotheke zu beziehen.

Hintergrunddetails, die für die Apotheker sprechen: Über Gewinnspannenkürzungen – in Summe 45 Millionen Euro – mussten die Apotheken im Vorjahr Ergebnisrückgänge verkraften. Auch der Internetversand von Arzneien dürfte künftig auch hier zu Lande zunehmen. Die Politik will das Pharmazisten-System vermutlich in nächster Zeit weiterem Druck aussetzen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 4.2.2005)

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    DM lockt mit niedrigeren Arnzneimittel-Preisen

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