Irakwahl: 75 Prozent für Schiitenliste

7. Februar 2005, 16:10
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Zehn Prozent der Stimmen in sechs von 18 Provinzen ausgezählt - Allawi-Liste an zweiter Stelle - Endergebnis bis Donnerstag angekündigt

Bagdad/Ankara - Von über drei Millionen Stimmen, die in neun mehrheitlich schiitischen Provinzen und in Teilen Bagdads abgegeben wurden, entfielen 2,2 Millionen auf die vom schiitischen Klerus unterstützte Vereinigte Irakische Allianz (UIA). Das teilte die Unabhängige Wahlkommission am Freitag in Bagdad mit. Zweitstärkste Kraft wurde demnach die überkonfessionelle Irakische Liste von Übergangspremier Allawi, auf die knapp 580.000 Stimmen entfielen.

Andere Parteien erzielten in diesen Landesteilen keine nennenswerten Ergebnisse. Die vorgelegten Zahlen beruhten auf der Auszählung von 35 Prozent der Wahllokale.

Endergebnis bis Donnerstag angekündigt

Das Endergebnis der Parlamentswahl soll bis Donnerstag bekannt gegeben werden. Das teilte die Wahlkommission am Samstag mit. Neue Zwischenergebnisse nannte sie jedoch nicht. Die Auszählung konzentriere sich derzeit auf die Wahlen zu den Regierungen in den 18 Provinzen des Landes.

Sistani-Liste auch bei Exilirakern in den USA vorn

Die Liste "Vereinigte Irakische Allianz" hat nach vorläufigen Ergebnissen die meisten Stimmen der in den USA lebenden Iraker gewonnen. Die vom schiitischen Großayatollah Ali al-Sistani unterstütze Kandidatenliste erhielt 32 Prozent der 24.278 gültigen Stimmen, die am vergangenen Sonntag abgegeben wurden. Mit 29 Prozent schnitt die Partei der chaldäischen und assyrischen Christen, die Liste Al Rafidin, in den USA überdurchschnittlich gut ab.

An dritter Stelle landete die Kurdische Allianz. Nur vier Prozent erreichte die Partei des irakischen Übergangsregierungschefs Iyad Allawi, die Irakische Liste. Die Ergebnisse wurden am Freitag von der Internationalen Organisation für Migration veröffentlicht.

Türkei überdenkt Kurden-Politik

Indes erwägt die Türkei laut der türkischen Zeitung Milliyet eine Wende in ihrer Irak-Politik. Ankara habe beschlossen, dass die Übernahme hoher irakischer Staatsämter durch Kurden im Interesse der Türkei liege. Bisher hatte Ankara jegliches politische Erstarken der irakischen Kurden mit Misstrauen betrachtet. Aufständische haben im Irak einen Militärkonvoi überfallen und sechs Soldaten getötet. In Bagdad wurde eine italienische Journalistin entführt. Giuliana Sgrena wurde in einem Wagen verschleppt. (Bloomberg, AFP)

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