Missglückte Manipulation in Paderborn

8. Februar 2005, 15:51
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Assistentin verhinderte einen von Hoyzer gepfiffenen Elfmeter - Hoyzers Lohn: 67.000 Euro und ein Plasma-Fernseher

Berlin/Hamburg - Nach Informationen des "Spiegel" soll der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer für seine Manipulationen und seine Einflussnahmeversuche auf Fußballspiele insgesamt 67.000 Euro und einen Plasma-Fernseher erhalten haben. Um vorab abgesprochene Spielresultate zu erreichen, habe Hoyzer seinen "Ermessensspielraum als Schiedsrichter" voll ausgenutzt", berichtete das Magazin am Donnerstag.

Die aus Kroatien stammenden Brüder Milan, Filip und Ante S., die inzwischen in Untersuchungshaft genommen wurden, seien seine Auftraggeber und "Navigatoren" gewesen, heißt es in der unter Bezug auf Geständnisdetails veröffentlichten Mitteilung. So sei Ante S. vor dem Pokalspiel des SC Paderborn gegen den Hamburger SV in Hoyzers Hotelzimmer gekommen, um Einzelheiten der beabsichtigten Schiebereien zu besprechen. Nach dem von Paderborn mit 4:2 gewonnenen Spiel sei er mit Filip S. im Auto zurück nach Berlin gefahren, um die versprochenen 20.000 Euro in bar zu kassieren.

Missglückte Manipulation in Paderborn

Beim Regionalligaspiel Paderborn gegen Chemnitz im Mai 2004 habe Hoyzer vergebens versucht, bis zur Halbzeit für eine Führung der Heimmannschaft zu sorgen. Ante S. seien dadurch 21.500 Euro Wettgewinn verloren gegangen, worauf der Schiedsrichter die Anzahlung von 8.000 Euro an den Kroaten zurück gegeben haben will.

In dieser Partie verdarb laut "Berliner Kurier" die Assistentin Inka Müller Hoyzers Absichten. Müller verhinderte einen Elfmeter. Sie zeigte Hoyzer, der schon Strafstoß für Paderborn gegeben hatte, dass das Foul außerhalb des Strafraums erfolgte. So blieb es beim 0:0 zur Pause. Nach "Kurier"-Informationen hatte es hohe Einsätze auf die Kombinations-Wette mit einer Paderborner Pausenführung und einem Paderborner Sieg gegeben.

"Plötzliches Muffensausen"

"Ich kann und möchte mich dazu nicht äußern. Es ist ein schwebendes Verfahren. Aber es gibt TV-Bilder, die kann jeder sich anschauen und sich sein Bild machen", wird Müller zitiert. Demnach habe Hoyzer nach dem Elfmeterpfiff in der 43. Minute und der Intervention seiner Linienrichterin "plötzlich Muffensausen" gekriegt und die Entscheidung daraufhin zurückgenommen.

Hoyzer habe bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Berlin angegeben, dass er seinen Judas-Lohn von mehreren tausend Euro zurückzahlen musste, falls eine Wette platzte, so der "Berliner Kurier" weiter. In diesem Fall ging mit Paderborns Erfolg nur Teil 2 der Wette auf.

Auch bei dem Zweitligaspiel SpVgg Unterhaching gegen 1. FC Saarbrücken soll der Manipulationsversuch zu Gunsten der Bayern gescheitert sein. Für dieses Spiel, so Hoyzer, habe er vor Beginn 35.000 Euro entgegen genommen. Beim Halbzeitstand von 2:0 für die Gäste habe er in der Pause auf seinem Mobiltelefon eine SMS empfangen mit der Nachricht, sein Anteil würde bei Sieg für Unterhaching auf 50.000 Euro erhöht. Nach dem Spiel sollen die drei kroatischen Brüder Hoyzer nach dessen Aussagen Tatenlosigkeit vorgeworfen haben.

Schiri-Kollege Marks am Pranger

Nach dem Bericht des "Spiegel" habe Hoyzer vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass sein Kollege Dominik Marks 5.000 Euro für einen Sieg der Amateure von Hertha BSC im Regionalligaspiel gegen die Amateure von Arminia Bielefeld erhalten habe. Dem Geständnis zufolge soll Marks zudem weitere 30.000 Euro nach dem 3:0 des MSV Duisburg im Zweitligaspiel beim Karlsruher SC von Ante und Milan S. bekommen haben. Über den Mannschaftskapitän des SC Paderborn, Thijs Waterink, habe Hoyzer ausgesagt, er sei über den Kontaktmann Ante S. in die Manipulationen eingeweiht gewesen. Die von Hoyzer beschuldigten Spieler und Schiedsrichter bestreiten die Vorwürfe. (APA/dpa)

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