Weit und breit kein Baubeginn in Sicht

3. Februar 2005, 19:20
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Die Entscheidung über die Vergabe des Klagenfurter Stadion-Neubaus fällt, falls das Verfahren fortgesetzt werden kann, erst Anfang März

Klagenfurt/Wien - Die Affäre um den Neubau des Klagenfurter Fußballstadions schlug auch am Donnerstag hohe Wellen. Wien und die Steiermark hoffen weiterhin auf Kärnten als Standort für die Euro 2008, für ÖFB-Präsident Friedrich Stickler ist ein Abbruch des Vergabeverfahrens "eine Katastrophe". Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) schlug für diesen Fall vor, ein Sondergesetz zu beschließen und eine verkürzte Neuausschreibung vorzunehmen. Unterdessen stellte sich heraus, dass die Vergabe erst am 7. März erfolgen sollte.

"Eine Groteske"

Der steirische Sportlandesrat Hermann Schützenhofer (V) glaubt nicht, dass Klagenfurt als Austragungsort der Fußball-EM 2008 ausfällt. "Das Stadion in Klagenfurt wird trotz aller Probleme errichtet werden", hieß es am Donnerstag auf Anfrage der APA. Nach den derzeit geltenden Beschlüssen gehe man vom Stadionbau aus. Auch die Stadt Wien bleibt vorerst gelassen: Es würden derzeit "keine Überlegungen" angestellt, was im Falle eines Scheiterns des Projektes passieren solle, hieß es am Donnerstag im Büro der zuständigen Stadträtin Grete Laska (S). Auch die Suche nach möglichen Ersatz-Spielorten in der Bundeshauptstadt ist demnach kein Thema. Der oberösterreichische Fußballpräsident Leopold Windtner nannte die Vorgänge in Klagenfurt "eine Groteske".

ÖFB "mehr als besorgt"

Der Österreichische Fußball Bund (ÖFB) zeigte sich über die Vorgänge rund um die vorzeitige Veröffentlichung aller Projektwerber für den Neubau des Klagenfurter Stadions "mehr als besorgt". ÖFB-Präsident Friedrich Stickler betonte noch einmal die möglichen Folgen, die ein Scheitern des Projekts in der Kärntner Landeshauptstadt haben könnte. "Dieser Sabotage-Akt wurde von Brandstiftern in einer Größenordnung vorgenommen, die wir in der Sportpolitik nicht oft erleben."

Er hoffe darauf, dass die beiden Gutachter Josef Aicher und Michael Holoubek zu dem Schluss kommen, dass das Verfahren fortzusetzen sei, meinte Stickler. Denn ein Abbruch wäre "eine Katastrophe für Klagenfurt, Kärnten und Österreich". Bei einer Neuausschreibung wäre der Fertigstellungstermin Mai 2007 nicht mehr zu halten. Über Alternativstandorte wollten die ÖFB-Verantwortlichen vorerst nicht reden.

Verkürztes Vergabeverfahren?

Haider wiederum hält auch für den Fall eines Abbruchs des Vergabeverfahrens einen zeitgerechten Neubau des Klagenfurter Fußballstadions für möglich. Sollte das Verfahren tatsächlich abgebrochen werden müssen, könne man ein neues verkürztes Vergabeverfahren eröffnen, meinte Haider. Dafür müsste vorher "binnen weniger Tage ein so genanntes Sondergesetz verabschiedet werden". Danach könnten die Bieter ihre überarbeiteten Angebote neu einreichen, diese würden beurteilt und das Verfahren rasch durchgeführt.

"Wenn das Verfahren widerrufen werden muss, dann sehe ich keine Möglichkeiten mehr für Klagenfurt." So lautet der Standpunkt von Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer zur aktuellen Situation. Man müsse nun abwarten, bis die Expertise der Gutachter vorliege.

Die vorzeitige Veröffentlichung aller Projektwerber für den Neubau des Klagenfurter Fußballstadions, wie sie am Mittwoch in der "Kärntner Woche" erfolgt war, ist nach dem Bundesvergabegesetz verboten. In Paragraf 34, Absatz 7 heißt es: "Die Anzahl und die Namen der zur Angebotsabgabe aufgeforderten Unternehmer sind bis zur Bekanntgabe der Zuschlagsentscheidung geheim zu halten." Vizekanzler Hubert Gorbach (F): "Das Verfahren müsste daher widerrufen werden." Zugleich übte Gorbach Kritik an dieser strengen Regelung, mit der man möglicherweise "über das Ziel hinausgeschossen" sei.

Strafanzeige gegen unbekannte Täter

Die Stadt Klagenfurt hat inzwischen Strafanzeige gegen unbekannte Täter erstattet. Sollte jene Person ausgeforscht werden, welche die Unterlagen der Zeitung zugespielt hat, werde man Schadenersatzklagen in der Höhe von mehr als 100 Millionen Euro einbringen, kündigte Bürgermeister Harald Scheucher (V) an. Gegenüber der APA bestätigte Scheucher, dass die Frist für die Entscheidung der Vergabekommission verschoben worden sei: "Ursprünglich war der 4. Februar geplant, das wurde aber auf Grund der zahlreichen Stillstände verschoben."

Die Bietergespräche erfolgten erst in dieser Woche, bei einer Fortsetzung des Verfahrens haben die sechs Projektwerber nun Zeit bis zum 22. Februar, ihre Angebote nachzubessern, da es sich um ein "Last and best offer"-Verfahren handelt. Am 7. März würde dann der Bestbieter ermittelt, nach Ablauf der zweiwöchigen Einspruchsfrist könnte der Zuschlag dann erteilt werden. (APA/red)

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    Das Klagenfurter Stadion soll trotz immenser Probleme nach wie vor gebaut werden. Über Alternativstandorte wollen die ÖFB-Verantwortlichen vorerst nicht reden.

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