Gipfel zur Zukunft des zentralafrikanischen Tropenwalds

7. Februar 2005, 13:08
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NGOs fordern Mitspracherecht - WWF: ein "Marshall-Plan" wird gebraucht

Brazzaville - Die Staatschefs des Kongo-Beckens treffen sich am Samstag in Brazzaville in der Republik Kongo. Bei der Konferenz geht es um die Nutzung und den Schutz des weltweit zweitgrößten Tropenwaldes. An dem rund 2,3 Millionen Quadratkilometer großen Wald haben neben den beiden Kongos, Kamerun, Gabun, Äquatorialgunia und die Zentralafrikanische Republik Anteil. Das Ökosystem ist in den vergangenen Jahrzehnten durch wirtschaftliche Ausbeutung stark beeinträchtigt worden.

Afrikanische Nichtregierungsorganisationen haben vor dem Gipfel ein Mitspracherecht gefordert. "Wir sind es Leid, dass man an unserer Stelle über unsere Zukunft entscheidet", sagte Belmond Tchoumba vom kamerunischen Zentrum für Umwelt und Entwicklung am Freitag in Brazzaville.

Soziale und wirtschaftliche Aspekte

Der Vorsitzende einer Organisation zum Schutz der Pygmäen in der Demokratischen Republik Kongo, Diwa Kapupu, beklagte, sein Volk sei aus zu Schutzgebieten erklärten Wäldern vertrieben worden. Der kongolesische Menschenrechtler Roch Euloge N'Zobo verwies darauf, dass der Erfolg von Schutzmaßnahmen zu einem großen Teil von der Beteiligung der Menschen vor Ort abhinge.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte mit Blick auf den illegalen Handel mit Holz aus zentralafrikanischen Wäldern, es gebe zu wenig Transparenz und zu viel Korruption. Örtliche Forstverwaltungen erlaubten privaten Firmen, illegal Wälder abzuholzen, sagte Filip Verbelen von Greenpeace.

Ökologischer "Marshall-Plan"

Zwei Drittel der Urwälder im afrikanischen Kongobecken werden in 50 Jahren verschwunden sein, wenn niemand etwas gegen Rodungen und Wildtierhandel unternimmt. Das berichtete die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) am Donnerstag kurz vor Beginn der Konferenz.

Der WWF appellierte an die internationale Gemeinschaft, die afrikanischen Länder beim Schutz ihrer Regenwälder finanziell zu unterstützen. "Wenn es keinen Marshall-Plan für die Kongo-Regenwälder gibt, werden wir das artenreichste Ökosystem Afrikas verlieren", sagte WWF-Waldexperte Michael Evers. Die Organisation fordert unter anderem schärfere Grenzkontrollen, um den Schmuggel von Wildtieren und illegal geschlagenem Holz zu verhindern. (APA/dpa)

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