Interview: "Möchte mit keinem anderen tauschen"

3. Februar 2005, 15:30
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Toni Giger - der Mann für die heiklen Entscheidungen

Bormio - ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger war in den vergangenen Tagen einmal mehr nicht zu beneiden, das Thema Abfahrtsaufstellung hatte wilde Spekulationen von Seiten der Öffentlichkeit und mannschaftsinterne "Giftpfeile" ausgelöst. Im APA-Interview nimmt der 41-jährige Salzburger, der seit 1999 Herren-Chef ist, zu den Geschehnissen Stellung und kommt zum Schluss, dass er trotzdem "mit keinem anderen auf der Welt" tauschen möchte.

Wie schwer fallen Ihnen derartige Entscheidungen bzw. wie kommen sie zu Stande?
Giger:
Ich bin mit der Entscheidung zufrieden. Ich hoffe, dass sie richtig war, um für Österreich Medaillen zu holen. Leicht machen wir es uns sicher nicht, wir sind auch hier minutiös vorgegangen. Ich sitze lange vor den Unterlagen und studiere alle möglichen Szenarien. Das schaut dann so aus, dass mein Tisch und die gesamte Zimmerwand mit kleinen Zetteln mit Infos und Wetterberichten zugepickt sind. Aus diesen Puzzleteilen macht man sich dann ein Gesamtmosaik und das ist die Grundlage für derartige Entscheidungen.

Sind das Tage, an denen man sich denkt, dass vielleicht ein anderer Job angenehmer wäre?
Giger:
Ich sehe das als Herausfordrung an. Ich möchte meinen Job momentan mit keinem anderen auf der Welt tauschen, auch jetzt nicht. Es gibt die angenehmen Zeiten, wie den Super G am Sonntag, wenn man ein tolles Resultat erzielt. Aber wie überall im Leben gehört ein gewisses Auf und Ab einfach dazu.

Logischerweise gibt es in solchen Fällen immer auch Unzufriedene und teilweise auch "Giftpfeile". Ignoriert man diese einfach?
Giger:
Das nimmt man sehr wohl war. Es hat hier in Bormio Meldungen gegeben, die sehr viel Enttäuschung zum Ausdruck gebracht haben. Über die haben wir deutlich und lange geredet. Es war an der Zeit, ein deutliches Wörtchen mit einigen Leuten zu reden. Auch das muss einmal sein. Aber mir ist schon klar, dass sie keine guten Rennläufer wären, wenn sie nicht von sich überzeugt wären und nicht fahren wollten.

Spürt man im Vorfeld solcher Entscheidungen, dass das Verhältnis im Team dadurch gestört wird?
Giger:
Ich bin 250 Tage im Jahr mit der Mannschaft unterwegs. Klar, dass da das Verhältnis sehr intensiv ist. Man isst gemeinsam, man feiert gemeinsam, man lebt gemeinsam. Dadurch tun die Entscheidungen umso mehr weh, je enger die Beziehung ist. Aber - auch wenn es manchmal nicht so rüber kommt - der Zusammenhalt innerhalb des Teams ist toll, das hat man selbst in diesen Situation gemerkt. Man muss die Entscheidungen nur zum richtigen Zeitpunkt treffen und sich Zeit nehmen, darüber ausführlich reden.

Hätten Sie nach den vielen Rücktritten im Sommer vor der Saison gedacht, dass es bei der WM eine derartige Konstellation geben könnte?
Giger:
Vor der Saison hat man nicht mit einer derart starken Mannschaft rechnen dürfen. Man muss sich nur anschauen, was für Abfahrtsgranaten aufgehört haben. Und jetzt haben wir wieder ein Team beieinander, das im vordersten Bereich so eine enorme Dichte hat.

Ihr Rat an die beiden Qualifikanten Werner Franz und Christoph Gruber?
Giger:
Am Mittwoch hat es die Entscheidung gegeben, am Samstag ist die Abfahrt. Beide müssen das verarbeiten und sich darauf einstellen, dass am Freitag und Samstag eine 'Doppelabfahrt' stattfindet.(APA)

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    Giger (ganz rechts) bei der Pressekonferenz am Mittwoch.

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