Israels neuer Österreich-Botschafter nimmt Arbeit in Wien auf

4. Februar 2005, 15:20
2 Postings

Ashbel folgt vorzeitig abberufenem Toledo nach - Heute 55-jähriger war in der Waldheim-Ära Botschaftsrat

Wien - Dan Ashbel, Israels neuer Botschafter in Österreich, ist am Donnerstagvormittag in Wien eingetroffen. Nach seiner Landung auf dem Flughafen Schwechat begrüßte Ashbel seine zukünftigen Mitarbeiter in der Botschaft: "Ich freue mich, hier zu sein." Eine Stellungnahme wollte er nicht abgeben, da dies nicht üblich sei. Noch am Freitag will der neue Botschafter sein Beglaubigungsschreiben im Außenministerium abgeben, für März sei sein Antrittsbesuch bei Bundespräsident Heinz Fischer vorgesehen, hieß es seitens der Botschaft Israels.

Ashbels Vorgänger Avraham Toledo war vorzeitig von seinem Posten abberufen worden, nachdem in diplomatischen Kreisen in seiner Heimat Kritik an seiner Arbeit laut geworden war. Auch war er in den israelischen Medien unter Verdacht geraten, seine Frau geschlagen zu haben. Toledo war während eines Tiefstandes der österreichisch-israelischen Beziehungen aus Anlass der Regierungsbeteiligung der FPÖ unter Jörg Haider vor fast genau fünf Jahren zunächst im Rang eines Geschäftsträgers in Wien tätig gewesen, seit der Normalisierung 2004 als Botschafter.

Schon einmal in Wien tätig

Der neue Botschafter, der gut Deutsch spricht, war schon einmal an der israelischen Vertretung in Wien tätig - als Botschaftsrat von 1986 bis 1989. Genauso wie vor fünf Jahren bei der Bildung der ÖVP/FPÖ-Koalitionsregierung wurden auch damals die Beziehungen zwischen Israel und Österreich auf Geschäftsträgerebene herabgestuft. Grund war die Debatte um die Kriegsvergangenheit des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim.

Ashbel wurde 1949 in Tel Aviv geborenen und studierte Geografie, Englisch und Politikwissenschaft, bevor er in den Dienst des israelischen Außenamtes trat. Von 1978 bis 1983 war er Presse- und Kulturattache in Bonn. Weitere Auslandsposten waren London und Philadelphia.

"Deutschland herrscht doch nicht mehr über Österreich"

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte bei der Ernennung des Diplomaten beim Außenministerium für Befremden gesorgt, indem er forderte, Ashbel müsse zuvor seine deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben. Im israelischen Außendienst ist es üblich, dass diplomatische Vertreter nicht die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Gastlandes besitzen dürfen. "Deutschland herrscht doch nicht mehr über Österreich", hieß es damals verwundert. Ashbel selbst sagte allerdings, er habe keine Probleme damit, seinen deutschen Pass abzugeben.

Toledo bezeichnete, bevor er Österreich verließ, die bilateralen Beziehungen als "so gut wie nie zuvor". Als Höhepunkt seiner Zeit in Wien bezeichnete er den Besuch des israelischen Präsidenten Moshe Katzav in der Bundeshauptstadt im Oktober des Vorjahres. Nachdem er "auf dem Tiefpunkt" im Jahr 2001 als Geschäftsträger nach Wien entsandt worden sei, habe er sich unter der Maßgabe der 14 EU-Partner, keine Kontakte mit Mitgliedern der ÖVP/FPÖ-Regierung zu pflegen, beginnend mit Gesprächen mit Oppositionspolitikern, um "eine Revitalisierung" der Beziehungen bemüht.

In Israel hatte Toledo gegen seine vorzeitige Abberufung, die schon ausgesprochen wurde, ehe er im Februar 2004 vom Geschäftsträger zum Botschafter wurde, Klage eingereicht. Auf Grund einer arbeitsgerichtlichen Entscheidung zugunsten Toledos konnte dieser bis zu seiner Pensionierung Ende 2004 auf seinem Posten in Wien verbleiben. Das israelische Außenministerium erklärte, es sei nicht nachgewiesen, ob Toledo seine Frau geschlagen habe und verneinte, dass die Affäre der Grund für seine Abberufung gewesen sei.

Turbulenzen

Die österreichisch-israelischen Beziehungen waren mit dem Austausch von Botschaftern 1960 vollwertig ausgeprägt. Turbulenzen gab es schon vor der Wahl Waldheims zum Bundespräsidenten bzw. der Bildung der schwarz-blauen Koalition. Im Jahr 1973 hatte der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky zugesichert, das Durchgangslager Schönau für jüdische Emigranten aus der Sowjetunion zu schließen, um eine Geiselnahme durch arabische Terroristen zu beenden. Die Entscheidung führte zu Misstönen zwischen Wien und Jerusalem. Zwischen 1977 und 1982 fanden schließlich keine gegenseitigen offiziellen Besuche statt.

Zwischen 1992, als Waldheims Amtszeit endete, und 2000 liegt dagegen eine Zeit der Entspannung. 1993 legte der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) in der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Bekenntnis zur Verantwortung Österreichs für die Opfer des Nationalsozialismus und deren Nachkommen ab. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dan Ashbel

Share if you care.