Amazon verfehlt Gewinnerwartungen

11. Februar 2005, 20:06
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Gewinn dank starkem Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal vervierfacht - Analysten zeigen sich trotzdem enttäuscht

San Francisco - Der weltgrößte Internet-Einzelhändler Amazon.com hat seinen Gewinn im vierten Quartal 2004 dank eines starken Weihnachtsgeschäfts mehr als vervierfacht, damit aber dennoch die Analystenerwartungen verfehlt. Der Aktienkurs des Unternehmens brach nachbörslich um 14 Prozent ein.

Amazon stellte zugleich ein neues Versandangebot vor, mit dem weitere Kunden gewonnen werden sollen, dessen hohe Kosten Analysten allerdings kritisch beobachten.

Der Versand war nach Einschätzung von Branchenexperten auch schon im abgelaufenen Vierteljahr eine Ursache dafür, dass Amazon die Erwartungen nicht erfüllt hat. Das Unternehmen habe auf Grund des starken Preiswettbewerbs in zu vielen Fällen kostenfreien Versand angeboten, sagen sie.

346,7 Millionen Nettogewinn

Der Netto-Gewinn sei auf 346,7 Mio. Dollar (265 Mio. Euro) oder 82 Cent je Aktie gestiegen von 73,2 Mio. Dollar ein Jahr zuvor, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit. Ohne Sonderposten verbuchte Amazon einen Gewinn je Aktie von 35 Cent, während Analysten im Schnitt 40 Cent erwartet hatten.

Der Umsatz kletterte um 31 Prozent auf 2,54 Mrd. Dollar. Ohne Berücksichtigung der positiven Umsatzeffekte des schwachen Dollar ergab sich Firmenangaben zufolge ein Plus von 26 Prozent. Die Kursverluste der US-Währung erhöhen die in Dollar umgerechneten Erlöse, die US-Unternehmen im Ausland erzielen.

Verschlechterte Gewinnspanne

Analyst Martin Pyykkonen von Janco Partners wies auf die sich verschlechternden Gewinnspannen von Amazon hin. Die Bruttogewinnspanne sank demnach um 0,8 Prozentpunkte auf 23,1 Prozent - zum Teil wegen niedrigerer Preise und kostenloser Versandangebote, um neue Kunden zu gewinnen. "Sie verkaufen mehr, verursachen dabei aber niedrigere Gewinnspannen", sagte Pyykkonen.

Für das neue Versandangebot unter dem Namen "Amazon Prime" sollen Kunden eine Jahresgebühr von 79 Dollar zahlen. Dafür profitieren sie unbegrenzt und ohne Mindestbestellwert vom Expressversand, bei dem die gekaufte Ware innerhalb von zwei Tagen zugestellt wird.

Kosten für das Unternehmen steigen

"Das ist gut für den Verbraucher, nicht für die Gewinnspannen", sagte Pyykkonen. Auch Amazon-Finanzchef Tom Szkutak verhehlte vor Journalisten nicht, dass dadurch die Kosten für sein Unternehmen steigen dürften.

"Machen Sie sich da nichts vor: Wir rechnen damit, dass das für das Unternehmen kurzfristig teuer wird." Allerdings glaube Amazon daran, dass sich das Programm langfristig durch eine Zunahme der Nachfrage auszahlen werde.

Für das erste Quartal 2005 erwartet Amazon Umsätze von 1,80 bis 1,95 Mrd. Dollar und für das Gesamtjahr von 8,05 bis 8,65 Mrd. Dollar. Die Aktien von Amazon brachen nachbörslich auf 35,80 Dollar ein, nachdem sie den Handel an der Technologiebörse Nasdaq am Mittwoch mit 41,88 Dollar beendet hatten. (APA/Reuters)

  • Das neue Lieferservice amazon.com.Prime ist "gut für den Verbraucher, nicht für die Gewinnspannen".
    foto: www.amazon.com

    Das neue Lieferservice amazon.com.Prime ist "gut für den Verbraucher, nicht für die Gewinnspannen".

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