"Weber"-Streit: Jetzt kommen "Die Dresdner Weber"

7. Februar 2005, 20:08
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Eine Text-Collage versammelt strittige Passagen der Inszenierung und Werken anderer Autoren - Intendant: "Übergangslösung"

Dresden - Die strittigen Passagen aus der Dresdner Inszenierung von Gerhart Hauptmanns "Die Weber" bleiben dem Theaterpublikum erhalten. Als Reaktion auf das gerichtlich erwirkte Verbot der Inszenierung bringt das Staatsschauspiel Dresden am 14. Februar eine Textcollage mit dem Titel "Die Dresdner Weber" heraus. Das teilte die Bühne am Donnerstag mit. "Es wird kein Hauptmann gespielt, es ist eine Hommage an Hauptmann", sagte Intendant Holk Freytag. Die "Dresdner Weber" sollen auf Texten von Heinrich Heine, Georg Werth, Karl Marx, den Gebrüdern Grimm und anderen Dichtern basieren und den schlesischen Weberaufstand von 1844 thematisieren.

"Übergangslösung"

Freytag sprach von einer "Übergangslösung". Sie solle so lange gespielt werden, bis die ursprüngliche Fassung wieder auf die Bühne dürfe. Diese Hoffnung hätten die Dresdner noch nicht aufgegeben. Laut Freytag hat das Staatsschauspiel Dresden inzwischen Berufung gegen die Entscheidung des Berliner Landgerichtes eingelegt. Das Gericht hatte im Januar eine auf Betreiben des Verlags Felix Bloch Erben (Berlin) erlassene einstweilige Verfügung gegen die "Weber"- Inszenierung bestätigt. Nach Ansicht der Richter waren die von Regisseur Volker Lösch eingefügten Ergänzungen zum Urtext nicht vertragsgemäß genehmigt. Deshalb musste das Stück abgesetzt werden.

Verlag kritisierte "Verstümmelung des Textes" in Hauptmann-Inszenierung

Der Verlag hält die Stück-Bearbeitung für eine "Verstümmelung des Textes". Strittig sind die Passagen eines Chors von Arbeitslosen, die zusätzlich in den Hauptmann-Text eingefügt wurden und wüste Politiker-Beschimpfungen enthalten. Vor dem Hintergrund von fünf Millionen Arbeitslosen, Hartz IV und dem Erstarken der Rechtsextremen halte das Staatsschauspiel weitere Auftritte der 33 Choristen für wichtig, sagte Freytag. (APA/dpa)

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