Auseinandersetzung mit dem neuen Medium

6. Februar 2005, 22:34
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Von Aktualität bis Zukunftstraum und Zusammenarbeit: Ein Wordrap mit Chefredakteur Gerfried Sperl

Aktualität

"Wir profitieren da vom eigenen Onlinemedium, weil wir unsere guten Geschichten bereits publizieren können, bevor sie beim Zeitungsleser sind. Wir erzeugen da für Doppelleser eine Aktualität, die alleine mit dem Printprodukt nicht erreicht werden kann."

Geburtstagswunsch

"derStandard.at möge die Kraft haben, seine führende Funktion weiter auszubauen. Und das Medienhaus möge die Kraft haben, die oben skizzierten Projekte anzugehen."

Journalismus

"Bestimmte technische Entwicklungen beeinflussen auch den Journalismus. Der Journalismus hat keine von der Realität abgehobene Qualität, sondern die Qualität muss immer in Konfrontation mit Technik, wirtschaftlicher Realität und Politik errungen werden."

Onlinejournalismus

"Neben dem Magazinjournalismus gibt es im Onlinejournalismus die größte Vermischung zwischen Kommentar und Bericht."

Onlinemedium

"Am Bildschirm pendle ich zwischen der APA und derStandard.at hin und her und manchmal schau ich mir die erste Seite von internationalen Medien an, allerdings nicht die von der online Version, sondern die Ansicht der Zeitung."

Sprache

"In Onlinemedien entstehen neue Satzkonstruktionen, neue Präsentationsformen. Bei Postings im Speziellen gibt es bestimmte sprachliche Kurzformen, die sicherlich die Sprache insgesamt verändern. Wenn Zeitungen wollen, dass sie auch von den jüngeren Lesern gekauft werden, ist es sehr wichtig, die Auseinandersetzung mit dem neuen Medium zu suchen und Schlüsse zu ziehen, die die Lesemelodie und die Lesearchitektur in den Zeitungen betreffen."

Suchmaschinen

"Ich glaube, dass es noch immer nicht alle Journalisten begriffen haben, wie sehr sich durch Suchmaschinen die Möglichkeit, Grundinformationen zu beschaffen, beschleunigt hat. Die Gefahr besteht darin zu glauben, dass mangelndes Wissen durch Suchmaschinenwissen verbessert werden kann. Wenn ich das gewonnene Wissen nicht richtig interpretieren kann, bleibt es an der Oberfläche. Bei der Recherche und bei der Wissensansammlung haben wir uns quantitativ wahnsinng verbessert, aber leider nicht qualitativ."

Technischer Fortschritt

"Die Zeitungsindustrie sieht sich unter dem Einfluss der Onlinemedien veranlasst, an schnellere Druckmöglichkeiten zu denken. Kleine, relativ billige Druckmaschinen, dezentral positioniert, helfen, die Zeitung schneller an die Leute zu bringen. Leider gibt es noch keine farbtauglichen Minimaschinen. Wenn sie kommen, so um 2010, können wir Vertriebsnachteile eliminieren und an Aktualität gewinnen."

Teletext

"Wenn ich zur Unzeit am Abend nach Hause komme, dann hätte ich in meinem Fernsehapparat lieber ein Onlinemedium - z.B.: derStandard.at, da ich das aber nicht habe, bin ich auf Teletext angewiesen."

Vollversion

"Für eine Tageszeitung ist es sehr wichtig, die Möglichkeit zu haben, auf Onlinemedien verweisen zu können, denn Texte, die nur sehr verkürzt gebracht werden, können mit Hinweisen auf Vollversion und weiterführende Links erweitert werden.

Zukunftstraum

"Wir müssen alles tun, um die Möglichkeit zu schaffen, auf der Website Fernsehen zu machen. Wir wollen unsere Diskussionsveranstaltungen in Bild und Ton dem Leser zur Verfügung stellen. Wir möchten die Texte der Printausgabe auf derStandard.at mit "Fernsehreportagen" kombinieren, sodass CNN oder ntv in einer kleinen Version auf der Webseite entsteht. Das ist für mich die Zukunft schlechthin."

Zusammenarbeit

"In der Zusammenarbeit zwischen Tageszeitung und Onlinemedium muss sowohl Kooperation als auch klare Trennung forciert werden. Da bedarf es einerseits eines gegenseitigen journalistischen Vertrauens und andererseits der Fähigkeit der Differenzierung, damit die jeweiligen medialen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden können."

Aufgezeichnet von Gerlinde Hinterleitner.
  • Chefredakteur Gerfried Sperl: "Wenn ich zur Unzeit am Abend nach Hause komme, dann hätte ich in meinem Fernsehapparat lieber ein Onlinemedium - z.B.: derStandard.at"
    foto: standard/ cremer

    Chefredakteur Gerfried Sperl: "Wenn ich zur Unzeit am Abend nach Hause komme, dann hätte ich in meinem Fernsehapparat lieber ein Onlinemedium - z.B.: derStandard.at"

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